Wie kann der Lehrer die häusliche Erziehung der Kinder beeinflussen? 177
Beginnen wir mit dem Unterrichte.
Gar oft bietet derselbe Gelegenheit, über das Verhältnis der Eltern zu
ihren Kindern zu verhandeln und den Schülern manche wertvollen Vorstellungen
und Begriffe über ihre Stellung und Pflichten den Eltern gegenüber zu ver
mitteln, besonders auch hinsichtlich ihres Verhaltens zu den erziehlichen Maßnahmen
derselben. Sollen diese willig hingenommen und freudig befolgt werden, so
müssen die Kinder zu allererst von dem Rechte der Eltern an der Erziehung
überzeugt sein. Nirgendwo findet aber dasselbe einen unzweideutigeren Ausdruck
als in der heiligen Schrift und zwar auch in demjenigen Teile derselben, welcher
im Religionsunterricht der Schule zur Behandlung kommt. —
Bald schallt es mit diktatorischer Strenge unter Donner und Blitz vom
Sinai her dem Schüler in Ohr und Herz: „Du sollst deinen Vater und
deine Mutter ehren!" und: „Verflucht ist, der nicht bleibet in alle dem, was
geschrieben steht im Buche des Gesetzes!" — Bald warn: ernst der Mund des
alttestamentlichen Weisen: „Ein Auge, das deu Vater verspottet, und verachtet
der Mutter zu gehorchen, das müssen die Raben am Bache aushacken und die
jungen Adler fressen;" oder er lockt freundlich: „Mein Kind, gehorche der Zucht
deines Vaters und verlaß nicht das Gebot deiner Mutter"; während er sich
dringend an die Eltern wendet: „Laß nicht ab, den Knaben zu züchtigen; du
hauest ihn mit der Rute, aber du errettest seine Seele von der Hölle." —
Bald mahnt in liebevollem Tone der Apostel: „Ihr Kinder, seid gehorsam den
Eltern in allen Dingen, denn das ist dem Herrn gefällig." — — Aber nicht
nur bestätigt die heilige Schrift die Autorität der Eltern in Sachen der Er
ziehung durch Gebot, Warnung und Mahnung, sondern sie beweist auch mit
Thatsachen, wie streng und unnachsichtig Gott jeden Verstoß gegen dieselbe ahndet.
Oder spricht in dieser Beziehung- die Lebensgeschichte Absaloms nicht deutlich zu
dem Kinde? — Ja, wenn von all dem Erwähnten nichts in der Bibel zu finden
wäre, so müßte schon der Kindessinn des zwölfjährigen Jesus, dessen Speise es
doch war, zu thun den Willen des, der ihn gesandt hat, den Kindern ein un
widerleglicher Beweis dafür sein, die Eltern als Gottes Statthalter „nicht ver
achten noch erzürnen" zu dürfen, ihnen vielmehr „dienen und gehorchen, sie lieb
und wert haben" zu müssen." — So fehlt es dem Lehrer in seinem Unterricht
also nicht an passenden Gelegenheiten, die Eltern als die von Gott verordneten,
gesetzmäßigen Machthaber über ihre Kinder hinzustellen.
Daß er nun andrerseits alles, was diesem entgegenwirken kann, dem kind
lichen Gedankenkreise sorgfältig fernzuhalten sucht, ist eigentlich selbstverständlich.
Dennoch bietet die Behandlung mancher Lehrstoffe in dieser Hinsicht besondere
Gefahren, die der Lehrer kennen und vermeiden muß. Oder sollte z. B. die
Behandlung vieler Märchen, in denen von der Grausamkeit, der Ungerechtigkeit
und Parteilichkeit einer „bösen Stiefmutter" umständlich erzählt wird, nicht für

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