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I. Abteilung. Abhandlungen.
viele Kinder verhängnisvoll werden können? Gar leicht werden die Armen, die
thatsächlich unter der unverdienten Härte ihrer Pflegeelteru zu leiden haben —
diese Fälle liegen auch heutzutage noch vor — dadurch erst sich ihrers Jammers
bewußt und doppelt unglücklich; während andere beginnen, die wohlgemeinte und
notwendige straffe Zucht der Stiefeltern von vornherein als lieblose Behandlung
anzusehen. — Auch möchte aus dem angedeuteten Grunde die in Lesebüchern
und Schulen so oft übliche Ausführlichkeit in der Betrachtung der Jugendzeit
Friedrichs des Großen nicht ganz berechtigt sein. Mit wahrem Wohlbehagen
müht man sich vielfach damit ab. den Vater nur als den grausamen Barbaren zu
schildern, der für alles Edle und Schöne keinen Sinn, für die glänzenden Gaben
seines Sohnes kein Verständnis hat; wohingegen der Sohn meist als der be
klagenswerte Märtyrer, das verkannte und unterdrückte Talent und gar zu oft
auch als der jugendliche Held erscheint, dessen Selbständigkeit und Unbeugsamkeit
imponieren. — Bei diesen und ähnlichen Stoffen sei der Lehrer auf der Hut;
besonders laste er es nicht an Beispielen fehlen, die die Liebe und Fürsorglichkeit
auch der Stiefeltern beweisen. Dazu dürfte auch ein gelegentlicher Hinweis dar
auf angebracht sein, daß wie alle Menschen auch die Eltern einmal irren können
oft gerade dann, wenn sie es am besten mit ihren Kindern meinen.
Aber noch in anderer Weise kann der Lehrer durch seinen Unterricht die
elterliche Autorität schützen. — Ein Beispiel möge es zeigen.
Es wird die Geschichte Elis und seiner Söhne behandelt. Dabei treten
vier verschiedene aber innig verknüpfte Vorstellungskomplexe in das Bewußtsein
des Schülers:
1. „Was die Söhne thaten dem ganzen Israel;" (1. Sam. 2, 22.)
2. „Der schwache Vater wußte, wie seine Söhne sich schändlich hielten, und
er hat nicht einmal sauer dazu gesehen;" (1. Sam. 3, 13.)
3. Das Urteil Gottes: „Ich will erwecken über Eli, was ich wider sein
Haus geredet habe;" (1. Sam. 3, 12.)
4. „Das schreckliche Gericht;" (1. Sam. 4, 17—18.)
Der Vater geht mit seinen Kindern unter, weil er es an einer straffen
Erziehung mangeln ließ: dies tritt den Schülern als das Wesentliche der Er
zählung besonders lebhaft vor die Augen. Sie erkennen, mit welchem furchtbaren
Ernst Gott die Eltern für das Verhalten ihrer Kinder verantwortlich macht.
Was anders folgt daraus, als daß sie ein Verständnis für die erziehlichen Maß
nahmen der Eltern sowie ihre Strenge in Bezug auf die Beobachtung derselben
bekommen? Diese Einsicht zu pflegen, sollte sich der Lehrer in seinem Unterricht
recht ernstlich angelegen sein lassen. Er weise an passender Stelle auf den
Schmerz Rebekkas hin, die ihren Liebling auf Nimmerwiedersehen ziehen lassen
muß, nachdem sie ihn zu hartnäckiger Lüge verführt. Er mache sie mit dem
göttlichen Befehl bekannt: „Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, son-

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