Wie kann der Lehrer die häusliche Erziehung der Kinder beeinflussen? 179
dern ziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zum Herrn." Er zeige, wie
Gott den Abraham deshalb seiner Freundschaft würdigte, weil er wußte, daß
dieser „seinen Kindern und seinem Hause nach ihm befehlen werde, daß sie des
Herrn Wege halten, und thun, was recht und gut ist," und daß der Herr
gerade deshalb habe „auf Abraham kommen lassen, was er ihm verheißen."
(I. Mos. 18, 19.)
So bietet also der Unterricht überhaupt und der Religionsunterricht im be
sondern dadurch, daß er die Eltern als die von Gott gewollte höchste irdische
Autorität und den ersten Gegenstand der Ehrfurcht den Kindern bezeichnet, ein
treffliches Mittel, letztere für die erziehliche Einwirkung der Eltern willig und
empfänglich zu machen.
In gleichem Maße, wenn nicht noch mehr, als die Anerkennung der
elterlichen Autorität, ermuntert die kindliche Liebe zur Unterwerfung
unter den Willen der Eltern. Gelingt es daher dem Lehrer, wahre Kindesliebe
in den Herzen seiner Schüler durch den Unterricht zu wecken oder zu pflegen, so
beeinflußt er auch dadurch die häusliche Erziehung. Selbstverständlich reichen dazu
abstrakte Mahnungen und Belehrungen nicht hin, ist doch die Anschauung das
„absolute Fundament" ebenso sehr des Gefühls als der Erkenntnis, entzündet
sich doch erst Liebe an Liebe, denn „wie das Vorherlaufen der Definitionen vor
der Anschauung die Menschen allgemein zu anmaßlichen Maulbrauchern macht,
ebenso führt das Vorherlaufen der wörtlichen Lehre von der Tugend und vom
Glauben vor der Wirklichkeit der lebendigen Anschauungen der Tugenden und
des Glaubens .... zu ähnlichen Verirrungen hin." (Pestalozzi) Der Lehrer
wird deshalb sein Augenmerk zunächst darauf richten, ob sich in seinem Unterricht
passende Gelegenheit bietet, die Liebe der Eltern gegen ihre Kinder den Schülern
vor die Augen zu malen, damit es auch bei ihnen wahr werde: „Liebe erweckt
Gegenliebe."
Schon der allererste Religionsunterricht kann, wenn er rechter Art ist, dazu
dienen. Derselbe hat nämlich, um eine gute Apperception zu ermöglichen, an das
dem Kinde aus dem Gebiete des „Religiös-Sittlichen" bereits Bekannte anzu
knüpfen: Die Liebe zu den Eltern muß zur Gottesliebe, die Liebe zu den Ge
schwistern zur allgemeinen Menschen- oder Nächstenliebe entwickelt werden. In
diesem Sinne ist auch wohl Herbarts Wort zu verstehen: „Dem Kinde sei die
Familie das Symbol der Weltordnung; von den Eltern nehme man idealisierend
die Eigenschaften der Gottheit," und Pestalozzi äußert dasselbe: „Das sehe ich
bald, die Gefühle der Liebe, des Vertrauens, des Denkens müssen in mir ent
wickelt sein, ehe ich sie auf Gott anwenden kann. Diese Gefühle gehen von dem
Verhältnis aus, das zwischen dem unmündigen Kinde und seiner Mutter statt
hat." Demnach muß also der Religionsunterricht mit einer Besprechung der
Familie anheben. Der Lehrer zeigt den Kleinen, wie die Eltern sie in allen

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