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I. Abteilung. Abhandlungen.
und denken wir dabei etwa an unsere heutigen Predigten oder Parlamentsreden
oder Schriften in Gesprächsform oder Briefe oder Tagesbroschüren oder Zeit
gedichte rc. Da der Autor bestimmte Hörer oder Leser in bestimmter Lage, also
besondere Bedürfnisse ins Auge zu fassen hat, so darf er sich nicht darauf ein
lassen über den betreffenden Gegenstand alles zu sagen, was darüber gesagt werden
könnte, weil dann möglicherweise bereits Bekanntes vorgebracht und Langeweile er
zeugt werden würde; vielmehr wird es gelten, das und nur das zur Sprache zu
bringen, wonach diese Hörer- oder Leserschaft fragt, was sie noch nicht weiß oder
nicht recht weiß. Und weiter: damit das, was jetzt gewiesen werden soll, nun
auch wirklich gesehen, verstanden und zu Herzen genommen werde, — können
dann schulgerechte Definitionen, die kein Wort zu viel und zu wenig enthalten,
am Platze sein? oder umständliche wissenschaftliche Einteilungen und Erläuterungen,
oder ellenlange Kettenschlüsse und dergleichen schwerfällige logische Formen? Gewiß
nicht; alles, was nach Katheder und Studierzimmer riecht, ist vielmehr sorgfältig
fernzuhalten und dagegen eine solche Redeweise zu wählen, welche die Fragepunkte
lebendig, deutlich, scharf, vielleicht sogar sehr zugespitzt hervorhebt, kurz, die den
Nagel auf den Kopf trifft und darum sich auch nicht scheut, zuweilen stutzig
machende Bergleiche, Paradoxien, Hyperbeln und dgl. zu Hülfe zu nehmen.
Sieht man darauf hin die biblischen Schriften an, so stndet sich, daß sie
diese Merkmale der wahrhaft praktischen Darstellungsweise in hohem Maße an
sich tragen. Achten wir vorab auf das unbesorgte Kürzen des Ausdrucks, wo es
sich darum handelt, die Hauptsache hervorzuheben und in gerader Linie auf das
Ziel loszugehen. So sagt der Dekalog z. B. rundweg: „Du sollst am Sonntag
kein Werk thun" und überläßt es dann dem Hörer selber zu überlegen, ob es
nicht auch Werke der Not und der Liebe gebe, die sowohl am Ruhetage wie am
Werktage löblich sind; oder im sechsten (fünften) Gebot wieder kurz: du sollst
nicht töten, unbekümmert darum, ob dereinst Mennoniten und Quäker die nötigen
Ergänzungen nicht zu finden wissen. Um das, was die Idee der Vergeltung in
ihrer Anwendung auf das Strafrecht fordert, geradlinig hier zu zeichnen, sagt das
mosaische Gesetz knapp und plastisch: „Auge um Auge, Zahn um Zahn," un
bekümmert darum, ob dereinst gewisse Kritiker daraus beweisen zu können glauben,
Moses habe nur eine sehr unvollkommene und rohe Ethik gekannt.
Werfen wir jetzt auch noch einen Blick darauf, wie die biblischen Schrift
steller es angreifen und was sie sich dabei erlauben, um die praktischen Frage
punkte möglichst deutlich, möglichst scharf, und möglichst nachdrücklich hervorzuheben.
Die auffallendsten Beispiele finden sich gerade in den Reden Jesu. So heißt es
z. B. „ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so haue
sie ab" oder „nimmt dir jemand den Rock, so überlaß ihm auch den Mantel,"
oder „verkaufe alles, was du hast, und gieb es den Armen, so" rc. oder „es ist
leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher ins Reich

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