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I. Abteilung. Abhandlungen.
Lob wirkt hier anspornend und ermutigend und macht die Eltern für seine Worte
geneigt und empfänglich. Will er immer nur „schulmeistern", so haben ihn bald
die Eltern satt. Er hat darum auch seine Hauptabsicht beim Besuche nicht zu
verraten, sein Mahnen und Belehren darf sich nicht als beabsichtigt ankündigen;
es muß sich vielmehr wie ungesucht aus dem Gange des Gesprächs ergeben. So
kann z. B. der Anknüpfungspunkt, wodurch die Unterhaltung zu Erziehungs
fragen übergeleitet wird, etwa der sein, daß der Lehrer nach einer Eigentümlich
keit des Kindes fragt, wie wenn er sich darüber belehren lassen wollte, was ja
auch zum Teil seine Absicht sein kann. Mit dem Austausche der beiderseitigen
Erfahrungen und Ansichten über diesen Punkt ist dann das Erziehungsgespräch
im Gange. Das weitere muß sich dann finden. —
Aber noch manches andere hat der Lehrer zu beobachten, wenn er nicht den
guten Zweck seiner Besuche durch Taktlosigkeit vereiteln will. Er muß bei seinen
Unterredungen, um nur noch an einiges zu erinnern, auch berücksichtigen, daß
fast alle Eltern für den Tadel an ihren Kindern sehr empfindlich sind, wie sie
dagegen dieselben gern loben hören. Mit dieser Thatsache haben namentlich junge,
unverheiratete Lehrer zu rechnen. Wollen diese immer oder meist rügen und sich
über die Schüler beklagen, so werden sie höchst wahrscheinlich häufig hören müssen:
„der weiß nicht, was es heißt, ein Haus voll Kinder aufzuziehen." Schon ganz
anders wird der Tadel des älteren Lehrers aufgenommen, dem eine Schar wohl
erzogener Kinder öffentlich das Zeugnis eines „Musters von Familienvater" aus
stellt. Immerhin mache es sich aber jeder Lehrer zur Aufgabe, möglichst wenig
zu kritisieren. Ja es dürfte sich sogar manchmal empfehlen, einen bösen
Charakterzug des Kindes als bei demselben noch nickt völlig ausgeprägt hinzu
stellen (natürlich den Eltern), dabei aber auf die Gefahr aufmerksam zu machen,
daß das Kind ihn sich aneignen könne. Wollte z. B. der Lehrer einen Schüler
wegen eines kleinen Diebstahls den Eltern gegenüber unverhohlen als Dieb be
zeichnen, so würde er dieselben in vielen Fällen beleidigen, in manchen zu über
triebener Strenge gegen das Kind bestimmen und nur in wenigen zu sorgfältiger
Aufsicht und entsprechender Pflege desselben anreizen. Wo letzteres nicht zu er
warten ist, bitte er lieber die Eltern, alles aufzubieten, damit ihr Kind kein
Dieb werde; den vorliegenden Diebstahl selbst behandle er mehr als untrüg
liches Symptom für die Neigung zum Stehlen. Diese durch geeignete Maß
nahmen zu bekämpfen, wird den Eltern dann schon der Mühe wert erscheinen,
wohingegen die Annahme eines Zu-spät gar leicht dies für kaum noch erfolgreich
ansehen läßt.
Selbstverständlich haben derlei Unterredungen zwischen Eltern und Lehrer in
Abwesenheit der Kinder zu erfolgen; oft ist es aber auch geboten, den Vater
oder die Mutter allein unter vier Augen zu sprechen. Nicht selten empfindet
jener die Unart seines Kindes, wenn er sie von einer Respektsperson erfährt,

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