Wie kann der Lehrer die häusliche Erziehung der Kinder beeinflussen? 191
mit einem kampfesmutigen: „Wir schützen unsere Weiber, unsere Kinder!" —
Da riß bei Fr. Wilh. III. „Aufruf an mein Volk" der gewaltige Wellenschlag
der Begeisterung alle deutschen Herzen mit sich fort, daß auf des Königs Ruf
„alle, alle kamen." — Solch eine allgemeine Begeisterung strebe der Lehrer auch
hinsichtlich der Erziehung an. Es muß unbedingt dieselbe entfacht werden, wenn
anders die Jugenderziehung außerhalb der Schule in das richtige Geleise kommen
soll. Oder ist etwa damit die Sache gethan, daß nur die Eltern, Lehrer,
Pfarrer und eventuell die Polizisten für die Kinder ein wachsames Auge haben?
Wahrlich nicht! Die gesamte Jugend muß sich von dem gesamten Alter beauf
sichtigt und erzogen wissen, namentlich in der gefahrvollen Zeit der „großen
Jugendwüste" zwischen der Entlassung aus der Schule und dem Eintritt ins
Militär. Wie oft hört man doch in unseren Tagen über die Respektlosigkeit
noch schulpflichtiger oder halbwüchsiger Burschen den Erwachsenen gegenüber
klagen! Begründet ist diese Klage, aber nicht völlig berechtigt. Man beherzige
auch in dieser Beziehung die tadelnde Zurechtweisung des Propheten: „Ein jeder
murre über seine Sünde," auch über die Sünde seiner Gleichgiltigkeit und
Interesselosigkeit gegen die Jugend. Wenn irgendwo so gilt hier das Wort:
„Laffet uns (wir Erwachsenen) besser werden, gleich wird's besser sein" (mit
unserer Jugend). Zu solchem Entschluß feuere der Lehrer in einem Elternabend
an, daß man sich selbst und einander gelobe, von nun an in und außer dem
Hause die Erziehung der eigenen und fremden Kinder nach Kräften zu unter
stützen. Überhaupt alles, was hinsichtlich der Kindererziehung ein gemeinsames
Vorgehen wünschenswert macht, finde in den Elternabenden Anregung und
Förderung?)
Nachdem bisher von der Bedeutung sowie der Aufgabe der Elternabende
die Rede gewesen, bedarf es noch einiger Winke betreffs ihres Betriebes. —
Zunächst mache der Lehrer die Elternzusammenkünfte nicht zu einem Lärm- sondern
zu einem Lernverein. Er trete nicht zu laut damit an die Öffentlichkeit; die
Tagesblätter brauchen gar keine Notiz von ihnen zu nehmen. Aus dem Grunde
wähle er zu den Versammlungen womöglich kein öffentliches Lokal, sondern die
Schulstube. Ist es dem Lehrer, der ja seine Berufsarbeit so ganz abseits vom
geräuschvollen Leben in der stillen Schulstube verrichten muß, darum zu thun,
durch die Elternabende in die bewundernde und beklatschende Öffentlichkeit zu
treten, reizt ihn die Popularität, dann mögen seine Elternabende vielleicht populär
werden, ob aber segensreich namentlich für ihn selbst, ist sehr fraglich. — Ferner
überlege er, ob nicht ab und zu die Väter oder Mütter besonders einzuladen
sind. Will er an einem Abende etwa ausschließlich Vater- oder Mutterpflichten
') Daß die Elternabende sich nicht nur vom rein pädagogischen Standpunkte em
pfehlen, sondern auch noch manch andern gemeinsamen Interessen von Schule und Haus
dienen können, dürfen wir hier nicht weiter ausführen.

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