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I. Abteilung. Abhandlungen.
besprechen oder etwa im Sinne von Eph. 5, 22—33 über das Verhalten der
Ehegatten zu einander ermahnen, so möchte sich dies wohl empfehlen. — Vor
allem aber erwarte er den Segen der Elternabende nicht von einer häufigen und
schnellen Wiederholung derselben. Die heutige Zeit mit ihrem Gründerschwindel
auf allen Gebieten, in der neue Vereine wie Pilze aufschießen, gebietet hierin
die größte Mäßigung. Mit zwei höchstens drei Elternabenden im Jahre be
gnüge man sich, soll nicht daß allgemeine Interesse an denselben erlahmen und
infolge dessen das ganze Unternehmen bald als verfehlt und überlebt erscheinen.
Um diesem schlimmen Ausgange vorzubeugen, verfahre der Lehrer namentlich
bei der ersten Veranstaltung jener Zusammenkünfte äußerst vorsichtig. — Beim
Antritt einer neuen Stelle studiere er bei seinen Hausbesuchen insonderheit das
Jntereffe der Eltern sowohl bezüglich der Familien- als auch der Schulerziehung.
Hat er dadurch eine Zahl von Vätern entdeckt, die für Erziehungsfragen Teil
nahme und Verständnis zeigen, dazu auch wegen ihres ehrenwerten Charakters
seine Hochachtung verdienen, so suche er zunächst diese für häufigere, regelmäßig
stattfindende Besprechungen zu gewinnen. Letztere sind nicht nur pädagogischen
Fragen gewidmet, wenn diese auch nie ganz fehlen dürfen; vielmehr sehe man
sich, so weit es angängig ist, in allen Gebieten des Guten und Schönen um.
Einen Namen gebraucht die Vereinigung nicht, geschweige Statuten. Jedes Ge
meindeglied ist willkommen; dafür, daß nur passende Elemente eintreten, bürgt
schon die Gesinnung des Stammes. Nicht der Lehrer beschleunige die extensive
Entwicklung jenes Kränzchens; er überlasse hauptsächlich den andern die Zu
führung neuer Mitglieder. Hat er sich auf diese Weise allmählich eine treue
Leibgarde herangebildet, die sich gleichsam als ein Verein von Vätern und solchen,
die es werden wollen, darstellt, so kann er endlich den Verein zum soliden, fest
gefügten Fundament für die künftigen Elternabende benutzen. Daß in denselben
dann ein würdiger Ton herrscht, daß für ungebührliches Benehmen in denselben
der Boden fehlt, sichert ihm die kleine Schar seiner Getreuen. So beginnt er
en detail, um en gros zu enden. Will er umgekehrt verfahren, etwa durch einen
öffentlichen Aufruf zu einer großen Versammlung einladen und dieser lang und
breit seine Ideen entwickeln, so mag er vorab einen stattlichen Verein erzielen,
der aber bei der Geburt den Keim des Todes schon darum in sich trägt, als
schwerlich all die verschiedenen Köpfe gemeinsam unter einen Hut zu bringen sein
werden.
Ist dem Lehrer aber die Gründung eines kleinen Vereins deshalb nicht
möglich, weil im Schulorte schon manch andre existieren, so suche er durch even
tuellen Anschluß an den einen oder andern derselben diese seinen Zwecken dienstbar
zu machen. In Bildungs-, Bürger- und Arbeitervereinen, in denen jeder Vor
tragende sein Liebstes und Bestes giebt, diene er mit Vorträgen über Erziehung.
Gelingt es ihm dann noch, den Ortspsarrer bittweise zu veranlassen, dann und

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