Wie kann der Lehrer die häusliche Erziehung der Kinder beeinflussen? 193
wann eine Erziehungspredigt zu halten, wie sie in mancher Gemeinde noch heut
zutage wenigstens einmal im Jahre üblich ist, auch dann hat er dadurch die
häusliche Erziehung seiner Schüler beeinflußt.
Daß der Lehrer imstande ist, durch einen vielseitigen persönlichen Ver
kehr mit den Eltern auf ihre Kinderzucht fördernd einzuwirken, haben wir bereits
gesehen. Es ist nun noch die Frage zu erörtern, ob ihm zu diesem Zwecke nicht
auch litterarische Mittel zu Gebote stehen.
Schon oft haben Pädagogen durch besondere Erziehungsschriften dem Hause
zu dienen und zu nützen versucht. Für die Familie ließ z. B. Luther seine
Predigt über das eheliche Leben, die im dritten Teile vom Segen und Fluch
der Ehe handelt, drucken. — Für das Haus schrieben Comenius seine
„schola infantiae“, Rousseau den „Emil", Salzmann sein „Krebs
büchlein" und Pestalozzi „Lienhard und Gertrud." — Unter den neueren
Pädagogen hat auch Dörpfeld in dieser Richtung gearbeitet. Sein erster
litterarischer Versuch ist ein „Katechismus für Väter und Mütter." Derselbe
bietet in drei Abschnitten eine „Unterweisung über der Eltern Würde, Pflicht
und Arbeit." Der Verfasser wirft Fragen auf und antwortet mit Citaten aus
Luthers Schriften. So lautet z. B. auf die Frage: „Gehört zu einer guten
Zucht nicht auch die Strafe?" die Antwort: „Das Strafamt ist ein Werk der
göttlichen und christlichen Liebe. Denn solches hat Gott auch Vater und Mutter
aufgeleget, da doch die höchste Liebe gegen die Kinder von Gott in die Natur
gepflanzet ist, und müssen doch, so sie fromme Eltern sind und ihre Kinder recht
lieb haben, nicht dazu lachen noch gut sein lassen, wenn sie sehen ihrer Kinder
Ungehorsam, sondern durch beides, mit Wort und scharfen Ruten strafen. Das
sind Amtsschläge und Liebesstreiche, die man schuldig ist, und die Gott geboten
hat, dazu nicht schädlich, sondern nützlich, und es ist viel besser, die Kinder
weinen, denn daß die Eltern weinen."
Fühlt der Lehrer sich berufen, auch in dieser Weise litterarisch thätig zu
sein, so mag er kleine populäre Schriften über Erziehung für die Eltern hin
aussenden. Daß dieser Weg nicht für jeden gangbar ist, versteht sich von selbst.
Ein anderes litterarisches Mittel, die häusliche Erziehung zu beeinflussen,
bieten Erziehungs Zeitschriften fürs Haus. Vor Jahren beriet auch ein ber-
gischer Verein evangelischer Lehrer die Gründung eines derartigen Blattes. Da
aber der für die Redaktion desselben ausersehene Schulmann die Übernahme
davon, abhängig machte, daß ihm zuvor ein Vorrat von Material geliefert werden
sollte, dann aber die Beiträge nur spärlich einliefen, ließ man den ursprünglichen
Plan fallen. So sehr bedauerlich konnte dies unter dem genannten Umstande
nicht sein. Um ein regelmäßiges Erscheinen der Zeitschrift zu ermöglichen, hätte
man wahrscheinlich bald zu Arbeiten geringerer Güte greifen müssen. Damit
aber wäre der guten Sache nur ein schlechter Dienst geleistet, ist doch auch auf

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.