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I. Abteilung. Abhandlungen.
diesem Gebiete nur das Beste gut genug. Dazu kommt, daß sich die Presse in
anderer Weise ebenso gut, wenn nicht noch besser im Sinne unseres Themas be
nutzen läßt und zwar durch Herausgabe von Flugblättern. Man schickt sie
aus, wenn man etwas durchaus Gutes hat. So macht die Sache wenig Sorge
und Mühe. Verbündet sich dann ein Lehrerverein mit Erziehungs- oder ähnlichen
Vereinen, so lassen sich die Flugblätter recht billig in großen Massen Herstellen,
so daß sie 'guten Teils verschenkt werden können. Damit ist dann eine weit
größere Verbreitung erzielt, als dies durch eine Zeitschrift möglich ist. — Auch
eignen sich gute, viel gelesene Zeitungen zur Aufnahme und Verbreitung ent
sprechender Artikel. Schade, daß die Tagesblätter bislang sich die Förderung
der Jugenderziehung so wenig haben angelegen sein lassen, während sie sonst wohl
allen Interessen des öffentlichen Lebens zu dienen wissen.
Will es der Lehrer nicht wagen, in der einen oder andern Weise den Eltern
Eigenes darzureichen, so biete er ihnen Fremdes durch eine gute Bibliothek.
Dann kann auch für ihn die Presse ein neues Mittel zur Beeinflussung der
Familienerziehung werden. — Daß dieses die übrigen nicht überflüssig macht, oder
durch jene überflüssig wird, ist selbstverständlich, vielmehr ergänzen sie sich in
schöner Weise. Gewinnt nämlich der Lehrer durch seine Hausbesuche nur Einfluß
auf die häusliche Erziehung seiner derzeitigen Schüler, sind die Elternabende den
sämtlichen Familien des Schulbezirkes gewidmet, so leitet die Presse seine Wirk
samkeit in weitere Kreise hinüber. Vom Schulhause dringt dann sein Einfluß in
konzentrischer Wellenbewegung über die Grenzen seiner Gemeinde in viele Häuser.
Fassen wir nun das Ergebnis unserer Untersuchung kurz zusammen.
Sie hat gezeigt, daß der Lehrer in gar mancherlei Weise die häusliche
Erziehung seiner Schüler beeinflussen kann. Schon sein tagtäglicher Verkehr mit
den Schülern bietet ihm in einem guten Unterricht, einer sorgfältigen Zucht
und straffen Regierung dazu treffliche Mittel. Sodann findet er durch münd
liche und schriftliche Rücksprache mit einzelnen Eltern, durch häufigere Be
sprechungen in kleinen, regelmäßigen Zusammenkünften von Vätern, in der Ver
anstaltung von Elternabenden sowie durch eine weise Benutzung der Presse reichlich
Gelegenheit, aus Väter und Mütter unmittelbar einzuwirken.
Angesichts so vieler Mittel und Wege, die Kindererziehung seitens 8er
Eltern zu beeinflussen, beherzige jeder Lehrer den Ausspruch Goethes, den wir
unserer Abhandlung als Motto vorgesetzt haben. Werde er für die Eltern ein
Plagegeist im edelsten Sinne, warte er nicht, bis sich bei diesen der Wunsch nach
gegenseitiger Annäherung regt; suche er, wenn auch noch so oft vergebens, wenn
nicht auf die eine, dann auf die andre Weise, sie für die Kindererziehung zu
interessieren und zu instruieren.

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