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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens.
„Friede sei um diesen Grabstein her!
Sanfter Friede Gottes! Ach sie haben
einen guten Mann begraben,
und mir war er mehr.
Träufle mir von Segen dieser Mann,
wie ein milder Stern aus bessern Welten,
und ich kann's ihm nicht vergelten,
was er mir gethan."
Dann darf auch ihn das schlichte, inhaltsschwere Zeugnis ehren:
„Er war ein Lehrer!"
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schul-
und Lehrerleben.
„Das Freie Wort."
Am 12. Januar nächsten Jahres ist die 150. Wiederkehr des Tages, an
dem Joh. Heinrich Pestalozzi das Licht der Welt erblickte. Schon rüstet man
sich in der Schweiz, diesen Tag festlich zu begehen, und es werden sich auch
innerhalb der deutschen Lehrerschaft Stimmen erheben, die zu einem würdigen
Gedenken des großen Toten mahnen. Sind dieser Feiern aber mit der Zeit
nicht gar zu viele geworden? Führt das Streben, die Gedenktage großer Männer
zu begehen, nicht vielfach dazu, daß der Blick mehr auf die glänzende Außenseite
ihrer Wirkungen und ihrer Erfolge, anstatt in die Tiefe ihres Gemüts, in das
Innerste ihrer Persönlichkeit fällt? So fragt wohl jemand. Und diese Bedenken
sind nicht unbegründet. — Wenn es aber wahr ist, daß die Veredelung unseres
Geschlechts zu allen Zeiten das Ziel unserer Entwickelung gewesen ist, so werden
wir gewiß, falls wir es recht anfangen, das Gedächtnis solcher Männer mit
großem Nutzen feiern, die diese Veredelung nicht etwa bloß mittelbar gefördert,
sondern gerade zum Zweck ihres Lebens sich gesetzt haben. Dieser Männer war
Pestalozzi einer!
Unsere Zeit steht ihm und seiner Lebensarbeit nahe genug. Denn es bricht
sich auch heute die Überzeugung, die Pestalozzi trieb, immer mehr Bahn, daß eine
Hebung des Volkes in jeder Hinsicht gleichbedeutend sei mit seiner inneren Ver
edelung, oder, mehr auf unsere Verhältnisse bezogen, daß eine Lösung der wichtigsten
Fragen unseres gesellschaftlichen Lebens nicht möglich sei ohne eine sittliche Ver-
neuerung unseres Volkslebens. Wenn diese Verwandtschaft der Zeitverhältnisse
feststeht, so ist es aus diesem besonderen Grunde gewiß, daß wir uns mit
Pestalozzi nicht umsonst beschäftigen werden. Was mich zu diesem Hinweis auf
den großen Schweizer veranlaßt, ist der Wunsch, den Lesern des evang. Schul
blattes eine Zeitung zu empfehlen, betitelt: „Das Freie Wort." Sie erscheint

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