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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
Kraft zu erreichen und zu erringen imstande sein mögen, das beste doch immer
von oben herab gegeben und dankbar verwertet werden muß.
Daß die Leser mit Pestalozzi nicht in allem übereinstimmen werden, ist bei
seiner originalen Art nicht zu verwundern; aber auch mit solchen Anschauungen,
die man nicht zu teilen vermag, wird man sich nicht vergeblich beschäftigen.
Den Lesern des Ev. Schulblattes mag noch besonders gesagt sein, daß „das
Freie Wort" den Anliegen der Schule und der Erziehung überhaupt gern seine
Spalten öffnet. Noch vor kurzem brachte es einen Artikel über den auch von
Dörpfeld ernstlich vertretenen Gedanken der Notwendigkeit einer öffentlichen Sitten
aufsicht der Jugend.
Zur Übersendung von Probenummern wird der Herr Herausgeber gern
bereit sein. Horn.
III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
1. Ed. Sperber, Religionsbüch
lei n für die Unterstufe der evan
gelischen Volksschule. Mit 33 Holz
schnitten. XI. Ausl. Breslau 1892,
Carl Dülfer. 94 S. 50 Pf. geb. 65 Pg.
2. Franz Wiedemann, Wie ich
m e i n e n K l e i n e n die biblischen
Geschichten erzähle. Für Lehrer,
Lehrerinnen, Gouvernanten, Väter
und Mütter rc. XIII. Ausl. Mit
100 Holzschnitten. Dresden 1894,
C. C. Meinhold u. Söhne. 300 S.
1,50 M., geb. 1,80 M. u. 2 M.
Beide Bücher sind für den Anfangs
unterricht in der biblischen Geschichte
bestimmt und, von dem Standpunkte
der Verfasser aus betrachtet, ganz vor
züglich, dafür legen die vielen Auflagen
— wenngleich der äußere Erfolg nicht
immer ein richtiger Wertmesser ist —
Zeugnis ab. Ich stehe allerdings auf
einem andern Standpunkte wie die Ver-
faffer, denn ich bin zu der Meinung
gekommen, daß zur Bildung des ethisch
religiösen Gefühls und Urteils der
Kleinen sich die biblischen Erzählungen
weit weniger eignen als profane Er
zählungen ; einmal wegen der Armut
dieser Altersstufe an Vorstellungs- und
Sprachbesitz, zum andern wegen der
großen Verschiedenheit zwischen dem kind
lichen Interessen- und Pflichtenkreise und
derjenigen Gedankensphäre, in welcher
die biblischen Persönlichkeiten lebten'
kämpften und duldeten. Der Abstand
ist allzu groß, s o groß, daß eine wirk
liche Würdigung der zur Anschauung
dargebotenen sittlichen Höhe in derKiudes-
seele schlechterdings nicht entstehen kann.
Dieser Anschauung haben beide Verfasser
sich nicht ganz erwehren können, auch
sie haben ihr wenigstens in etwas Rech
nung getragen, Sperber dadurch, daß
er in den ersten Wochen dem biblischen
Geschichtsunterrichte einen Vorbereitungs
kursus vorausschickt (S. 9 — 16), in
welchem dem Kinde von Gott erzählt
wird und dasselbe zugleich verschiedene
Gebete lernt. Viel klarer und entschie
dener ist Wiedemanus Stellung. In
der Vorrede spricht er es unumwunden
aus, daß die biblische Geschichte den
Kleinen wörtlich nicht so erzält werden
dürfe, wie sie in der Bibel steht. Er
sagt: Selbst wenn man die schwer ver
ständlichen biblischen Ausdrücke wegläßt,
bleiben in dieser Geschichte noch genug
Begriffe, die zwar dem gereiften Ver
stände , nicht aber dem Vorstellungs
vermögen der Kleinen begreiflich sind.
W. geht jedoch noch weiter, indem er
auch Bedenken gegen die Angemessenheit
und Verständlichkeit des Inhalts trägt;
er sagt: „Biblische Wahrheiten so recht
in Muttermilch zu verwandeln, ist schwer
und wenigen vorbehalten." So in dem

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