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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
fürs erste Schuljahr bestimmte Stoff
samt seinem ethisch-religiösen Gehalt dem
Bildungßpunkte dieses Alters angemessen
sei, führe ich einige abstrahierte Sätze
oder Systeme darans an: Du sollst den
Feiertag heiligen. Ich, der Herr, dein
Gott, bin ein eifriger .... bis ins
dritte und vierte Glied. Du sollst nicht
töten. Dein Reich komme. Dein ew'ge
Treu und Gnade, o Vater rc.. Es ist
aber der Glaube eine gewisse rc. So
sei nun, Seele, seine rc. Dein Wille
geschehe wie im Himmel, also auch auf
Erden u. s. w.
Man bedenke: diese Erkenntnisse und
Forderungen sollen Kinder gewinnen und
ableiten, die im Durchschnitt nicht wissen,
was rechts oder links, was gelb oder
grün, was gerade oder ungerade, höflich
oder unhöflich, wahr oder unwahr, sau
ber oder unsauber u. s. w. ist. Welcher
Schulmann sähe nicht ein, daß das ein
ganz vergebliches Bestreben ist, das trotz
des besten Fleißes und der redlichsten
Bemühung zu bloßem Verbalismus, zu
papageienhaftem Schwatzen führt. Rektor
Horn hat recht, wenn er sagt: „Wohl
werden die vitalen Interessen des Kindes
im hergebrachten Unterricht benutzt, in
dem man gern daran anknüpft, aber
mau setzt nicht eigentlich die Pflege des
im Kinde vorhandenen Jnteressenkreises
sich zum Ziel .... Will die Schule
Einfluß gewinnen, so muß sie aufhören,
ihr allgemeines Bildungsziel zu ver
folgen ; sie muß den wirklichen Interessen
des Kindes nachspüren, das Gute in
dem ihr durch die Lebensverhältnisse des
Kindes zugebrachten Jnteressenkreise in
ihre Pflege nehmen und dann vorsichtig
untersuchen, wie weit ihre Mittel reichen,
das sicherlich auch vorhandene Böse zu
paralysieren und das Fehlende zu er
gänzen."
Glogau. H. Grabs.
Dr. Rudolf Hochegger, Prof. d.
Phil., Die Bedeutung der
Philosophie der Gegenwart
für die Pädagogik. Gotha,
Emil Behrend. 132 S. 1,80 M.
Die vorliegende Schrift bildet das
32. 33. und 34. Heft der von Jo
hannes Meyer herausgegebenen Zeit-
und Streitfragen und ist der „Freien
Vereinigung für Philosophische Pädagogik
in Leipzig-Dresden" gewidmet. Der
Inhalt zerfällt in die Einleitung, so
dann in die Kennzeichnung zweier Philo
sophen der historisch-idealistischen Richtung
(Frohschammer und von Hartmann),
eines der naturalistisch-positiven Richtung
(Herbert Spencer) und dreier Vertreter
der vermittelnden Richtung der Philo
sophie der Gegenwart (Friedrich Paulsen,
Wilhelm Wundt und Wilhelm Dilthey).
Den Schluß bildet ein Rückblick. Zur
historisch-idealistischen Philosophie rechnet
Hochegger die Systeme, die an den Me
thoden und Problemen, wie sie sich im
Laufe der idealphilosophischen Entwick
lung der Philosophie herausgebildet haben,
festhalten und welche die Thatsachen des
Daseins aphoristisch erklären. Die natu
ralistisch-positivistische Schule ist vornehm
lich durch die naturwissenschaftliche Strö
mung der neuzeitlichen Wissenschaft be
dingt; sie will die Philosophie gleich
den Naturwissenschaften auf induktiver
Grundlage errichten. Die vermittelnde
Richtung will gleichmäßig die philo
sophischen Ergebnisse der Naturwissen
schaft wie der Geisteswissenschaft zu einem
einheitlichen Weltbilde verschmelzen und
sowohl die induktive wie die deduktive
Methode zur Anwendung bringen. —
Zunächst skizziert H. die Philosophie
Jakob Frohschammers, von welcher er
behauptet, daß die Beschäftigung mit
ihr reichen Lohn bringe. Letzteres habe
ich beim Durchlesen von S. 17—34
nicht empfunden. Frohschammer nimmt
eine Substanz des Seienden an, ist also
Monist; er behauptet, daß diese Sub
stanz sich nach immanenten Gesetzen zu
den verschiedenen Gebilden des Seienden
gestalte, ist also Verteidiger des abso-

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