Die deutsche Benennung des menschlichen Körpers und seiner Teile. 21
forschung drangen, und Luther seine Losung von der steten unaufhörlichen Buße
und Reformation erschallen ließ.
Hat der Katechismus, wo er als das eigentliche Religionslehrbuch gilt, jetzt
doch nicht wieder die volle schlimme Folge wie dort im Mittelalter, so verdankt
die evangelische Kirche dies einerseits dem Umstande, daß sie Rom gegenüber sich
zu Luthers Losung, also zum steten Zurückgehen auf die biblischen Quellenschriften
bekennt, und anderseits dem vorarbeitenden biblischen Geschichtsunterricht in den
Schulen.
An und für sich aber, ohne Gegengewicht gravitiert und drängt der Kate
chismusunterricht seiner Natur nach stets zum Gedankenstillstand, zum Gedanken
schlaf, zur Stagnation. Die heilige Schrift dagegen, eben weil sie keine fertige
Theorie, sondern nur praktische Weisungen giebt, spornt zur Selbstforschung an,
drängt und nötigt dazu, ja läßt dem Forschen schlechterdings keine Ruhe, bis die
wichtige, die überzeugende Theorie gesunden ist, und bietet ihr obendrein in ihren
Fingerzeigen eine Direktive für den rechten Weg und ein Mittel, um das Ge
fundene zu erproben und nötigenfalls zu korrigieren.
Mit einem Wort gesagt, der Katechismus betrachtet den Lernprozeß als ein
Vererben; die heilige Schrift will ihn als ein Erwerben betrachtet wissen. Der
Unterschied ist groß.
Wir sehen also, wieviel davon abhängt, daß die ethischen und dogmatischen
Aussprüche der Bibel als das angesehen werden, was sie wirklich sind, nämlich
nicht als theoretische Lehrsätze, sondern als praktische Weisungen für bestimmte
Zeitlagen und bestimmte Fälle. Das gilt auch hinsichtlich der biblischen Aus
sprüche über den Glauben.
Die deutsche Benennung des menschlichen Körpers und
seiner Teile.
Eine sprachliche Untersuchung von A. Hollenberg. (S. 1894, S. 458.)
1. Der Leib.
Das althochdeutsche 111), lip, mhd. lip (Gen. libes), niederl. lif, bedeu
tete früher in der deutschen Sprache sowohl Leben als Leib, während sich diese
Wörter später ganz getrennt haben. Der Stamm lib, der in den Wörtern
bleiben und kleben steckt, hat nach verbreiteter Meinung die Bedeutung des
Ausharrens jedenfalls aus der sinnlichen des Klebens herausgebildet und durch
be verstärkt. So bedeutet bleiben 1. an einem Orte ausharren, wie auch
in mancherlei Wendungen: so ihr in mir bleibet, bei einer Behauptung
bleiben; 2. einen Rückstand hervorhebend: zurückbleiben, übrigbleiben, besonders
nachdem andere weggegangen sind. Dir bleibt dein Sohn. Es bleibt nun nichts
mehr zu sagen. Hierher gehört auch leben, übrig sein, ebenso elf und zwölf —

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