Die Überfüllung der Schulklassen in Preußen rc.
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Beitrag der kirchlichen Gemeinde dürfte nicht mechanisch-gleichmäßig zu bemessen
sein, sondern hätte sich nach dem Vermögensstande derselben zu richten?) Bei
einer solchen Verteilung der Schullasten, besonders auch bei allmählicher Ansamm
lung eines Schulvermögens werden Zustände, wie Teil I sie schildert, kaum
möglich sein. Denn die Schullasten werden hauptsächlich um deswillen so ungern
getragen, weil diejenigen sie aufbringen müssen oder über ihre Aufbringung ent
scheiden, die an dem Gedeihen der Schulen nur mittelbar beteiligt sind. Daß
man einerseits der Schule gewisse Einnahmequellen, wie z. B. das Schulgeld,
abgeschnitten hat, andrerseits aber es zuläßt, daß für Schulzwecke bestimmte
Gelder des Staates im Interesse der bürgerlichen Gemeinden verwendet werden,
hat hauptsächlich seinen Grund in der Nichtberücksichtigung jenes Umstandes. Man
vertraute dem guten Willen der Gemeinden, für die Schule Opfer zu bringen,
und vergaß, daß derselbe nicht überall vorhanden ist. Auch Schenkungen für
die Schule sind gegenwärtig selten. Das hat seinen Grund nicht nur darin,
daß die Erziehung bei der herrschenden Schulverfassung nicht Volkssache werden
konnte?) sondern auch darin, daß es keine organisierten freien Schulgemeinden
giebt, welche für die richtige Verwendung der Geschenke und Verhältnisse Bürg
schaft leisten können. Die Einrichtung freier Schulgemeinden ist die notwendige
Vorbedingung dafür, daß der Schule allmählich reichere, dauernde und willig
dargebrachte Mittel für ihre Bedürfnisse geliefert werden. Damit wäre zugleich
die Hauptschwierigkeit beseitigt, die sich jetzt der Anstellung neuer Lehrer für die
zu errichtenden Schulklassen entgegenstellt. Denn mit dem Wachstum der Schul
gemeinde wachsen ja auch ihre Einnahmen, sowohl die das Schulvermögen mehren
den einmaligen als auch die fortlaufenden Einnahmen. Gegen das Elend der
überfüllten Klassen und unvollkommenen Schuleinrichtungen bietet aber die Orga
nisation der freien Schulgemeinde noch weitere Sicherheit in der Vereinigung der
Schulgemeinden untereinander und in den Befugnissen, welche den Organen der
freien Schulgemeinde zu gewähren wären.
Die einzelnen Lokalschulgemeinden eines bürgerlichen Gemeindeverbandes ver
einigen sich zunächst zur Gesamtschulgemeinde. Dieselbe kann auch die Schulen
mehrerer kleiner Gemeindebezirke umfassen?) Sie stellt einen Hülfsverein zur
Unterhaltung der Schulen dar, da ohne einen solchen viele Lokalschulgemeinden
nicht imstande sein würden, ihre Schulen zu unterhalten?) Weiter aber verbinden
stelle 500 M., wovon sie 120 M. für Schulgeld, 69 M- für Heizung und 60 M. für
Handarbeiten ausgiebt. Alles Übrige fließt in die Gemeindekasse. Das sind doch un
haltbare Zustände.
0 Selbstverständlich müssen kirchliche Dienste, wie Küster- und Organistendienst,
besonders honoriert werden.
2) Freie Schulgemeinde, S. 260.
3) Freie Schulgemeinde, S. 141 f.
4 ) Ebenda S. 141.

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