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I. Abteilung. Abhandlungen.
sich die Schulgemeinden innerhalb eines Synodalbezirkes zu Kreisschulgemeinden,
diese wieder zu Provinzialschulgemeinden, und endlich die des ganzen Staates zur
Landesschulgemeinde. Alle diese größeren Gemeinschaften helfen, wo es not thut,
den bedürftigen Gemeinden aus Kreis-, Provinzial- oder Staats-Schulfonds, so
daß in jedem Falle die leistungsfähigen Schulgemeinden durch Unterstützung in
den Stand gesetzt werden, ihrer Jugend die Ausbildung geben zu lassen, die ihr
gebührt.
Eine weitere Bürgschaft für Vermeidung unserer gegenwärtigen Schulzustände
bietet die freie Schulgemeinde in ihren Organen und in den ihnen übertragenen
Befugnissen. Wenn, wie jetzt, in den Schulvorständen auch Leute sitzen, die in
den niederen Volksschulen keine Kinder haben oder kinderlos resp. unverheiratet
sind, also einer Schulgemeinde in unserem Sinne gar nicht angehören; wenn die
Schulvorstände nicht regelmäßig einberufen werden; wenn ihnen wichtige Rechte
fehlen und ihren Mitgliedern keine bestimmten Pflichten übertragen sind, so kann
eben Interesse für die Schule nicht aufkommen. Anders bei der freien Schul
gemeinde. Hier hat die Lokalschulgemeinde wenigstens zwei Organe, den Schul
vorstand und das Wahlkollegium?) Ersterer besteht aus dem Lehrer, dem Geist
lichen und dem Gemeindevorsteher als ständigen und drei Familienvätern als
wechselnden, wählbaren Mitgliedern. Den Vorsitz in demselben führt der Lehrer
resp. der Hauptlehrer, als der, welcher durch seine pädagogisch-wissenschaftliche
Bildung dazu am meisten befähigt ist. i) 2 ) Wie nur ein Lehrer, so dürfte auch
nur ein Geistlicher Mitglied des Schulvorstandes sein. Die Familienväter könnten
selbstverständlich nach Ablauf ihrer Wahlperiode wiedergewählt werden. Dem
Schulvorstande würde es obliegen, die Lokalschulgemeinde rechtlich zu vertreten
und für Verwaltung und Vermehrung des Schulvermögens zu sorgen. Daneben
führt er die äußere Aufsicht über Schule und Lehrer, sowie über das Betragen
der Jugend außerhalb der Schule. Das Wahlkollegium besteht aus den Mit
gliedern des Schulvorstandes, verstärkt durch Mitglieder des Gemeindekirchenrats,
i) Freie Schulgemeinde S. 136 u. I39f.
s) Dörpfeld will allerdings den Gemeindevorsteher erst im Wahlkollegium vertreten
wissen. Da aber der Schulvorstand das Schulvermögen verwaltet und die bürgerliche
Gemeinde zur Unterhaltung der Schule wesentliche Beiträge leistet, so hat ihr Vertreter
an der Verwaltung und Vermehrung desselben großes Interesse. Darum muß er eben
sowohl im Schulvorstande vertreten sein als der Repräsentant der Kirchengemeinde.
Ferner soll nach Dörpfeld der Pfarrer den Vorsitz im Schulvorstande führen. Bei
pädagogisch-wissenschaftlicher Bildung des Lehrers (vergl. unlen S. 215 ff.) aber gebührt
diesem als dem ersten Sachverständigen in pädagogischen Dingen so gut der Vorsitz im
Schulvorstande, als dem Pfarrer im Kirchen- und dem Bürgermeister im Gemeinde-
vorstände. Weder Bescheidenheit noch Opportunitätsrücksichten dürfen uns abhalten,
diese Frage rein sachlich zu entscheiden. Vergl. auch Rolle, Selbständigkeit der Schule.
Päd. Studien v. Rein, 1889, IV.

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