Die Überfüllung der Schulklassen in Preußen re.
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des Gemeindevorstandes und der Schulgemeinde selbst?) Seine Aufgabe besteht
darin, den Lehrer, resp. den Hauptlehrer zu wählen, wobei der Kreis-Schul-
inspektor den Vorsitz führt. Die Klassenlehrer und Hülfslehrer werden nur vom
Schulvorstande gewählt. In ähnlicher Weise hat die Gesamtschulgemeinde ihren
Erziehungsrat und ihren Verwaltungsausschuß, die Kreis-Schulgemeinde ihre
Schulsynode, die Provinzial-Schulgemeinde ihren Provinzial-Schulausschuß und
die Landes-Schulgemeinde endlich den Landes-Schulrat. In den betreffenden
Kollegien führen der Kreis-Schulinspektor, der Bezirks- oder Provinzial-Schulrat
und der Unterrichtsminister den Vorsitz. Es ist zweifellos, daß die Schulen schon
durch den Wetteifer der Lokal-Schulgemeinden, tüchtige Lehrer zu gewinnen, eine
bedeutende Förderung erfahren werden; ferner daß die Lehrer einen Sporn zu
theoretischer und praktischer Fortbildung empfangen, der heute noch fehlt; sodann
daß die Gemeinde dem Manne ihrer Wahl in seinem Streben nach Verbesserung
der Schule williger entgegenkommen wird als jedem andern. Auch ist dem Lehrer
im Schulvorstande, sowie dem Kreis-Schulinspektor in der Schulsynode Gelegen
heit gegeben, die Schulgemeinden über die Folgen gewisser Schulzustände, über
die Notwendigkeit von Reformen u. s. w. aufzuklären und die Vertrauensmänner
der Schulgemeinden sowie diese selbst zu Opfern für die Schulen zu begeistern.
Alles dies ist gegenwärtig kaum möglich. Rechnet man dazu noch den Umstand,
daß ein mit gediegener wissenschaftlicher Bildung ausgerüsteter Lehrer, der neben
psychologischen Kenntnissen die nötige Lebenserfahrung und Schlangenklugheit be
sitzt, eine weit fruchtbarere Wirksamkeit wird entfalten können als der heutige
Lehrer, dem jene Eigenschaften infolge seines Bildungsganges vielfach abgehen;
bedenkt man ferner die Möglichkeit, solche Gemeinden, die sich durch bedeutende
Leistungen für ihre Schulen auszeichnen, durch besondere Vergünstigungen ehrend
zu belohnen?) so wird man zugeben müssen, daß dies alles den Schulen eine
Fülle von Lebenskräften zuführen und Zustände wie die heutigen nahezu aus
schließen würde.
Die Erfahrung spricht dafür, daß damit nicht zu viel behauptet worden ist.
In Dörpfelds Heimat, den alten niederrheinischen Gegenden Jülich und Berg,
besteht seit langer Zeit ein Schulwesen, das in seinen Grundzügen der freien
Schulgemeinde entspricht. Dieselbe ist bekanntlich kein Phantasiegebilde eines
spekulierenden Pädagogen, sondern eben diesem Schulwesen nachgebildet. Hier
kennt man einen großen Teil der Übelstände, die in andern Gegenden Preußens
herrschen, nur vom Hörensagen. Die Gemeinden zeigen meist große Opfer
willigkeit für ihre Schulen, deren Hauptursache das Recht der Lehrerwahl ist?)
3 Freie Schulgemeinde, S. 140.
2 ) Etwa durch unentgeltliche Ausbildung begabter und sittlich tüchtiger, aber armer
Knaben auf Gymnasien und Universitäten.
s) Freie Schulgemeinde, S 92—97.

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