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I. Abteilung. Abhandlungen.
Proseminar, diese in dem pädagogischen Seminar (18—20 Jahr) erledigt werden?)
Sodann müßte gefordert werden, daß die an beiden Anstalten unterrichtenden
Lehrer nicht nur auf der Universität pädagogische Vorlesungen gehört, sondern
auch ein pädagogisches Universitätsseminar erfolgreich mindestens ein Jahr lang
besucht hätten. Damit sind wir bei einer Forderung der Pädagogik angelangt,
die für das Gedeihen auch der niederen Volksschulen weit wichtiger ist, als man
auf den ersten Blick meinen sollte. Nicht länger dürfen Philosophen oder Theo
logen die Pädagogik neben ihrem eigentlichen Lehrberufe pflegen, sondern es
müsten an unseren Hochschulen besondere Lehrstühle für Pädagogik errichtet wer
den, nämlich einer für Psychologie, Ethik und allgemeine Pädagogik, ein zweiter
für historische, und ein dritter für die praktische Pädagogik. Mit dem letzteren
wäre ein pädagogisches Universitätsseminar und dessen Übungsschule zu verbinden.
Zum Hören der Vorlesungen sowie zum Besuch des Seminars wären nun außer
den künftigen Lehrern der Volksschullehrer-Seminare auch alle diejenigen zu ver
pflichten, die auf höhere Stellen im Schulwesen Anspruch machen wollen, als da
sind die Lehrer und Direktoren der höheren Schulen einschließlich der Universitäten,
die Schulaufsichtsbeamten vom Kreis-Schulinspektor an aufwärts, und endlich die
Rektoren der städtischen Volks- und Mittelschulen. Außerdem müßte das Studium
der Pädagogik denen wenigstens empfohlen werden, die zu ihrem Berufe einer
Kenntnis des Erziehungswesens bedürfen. Zum Studium der Pädagogik und
zum Besuche des Universitätssemiuars würde befähigen einmal das Reifezeugnis
eines Gymnasiums oder einer Realschule und das Abgangszeugnis eines Volks
schullehrer-Seminars. Allerdings dürfte das letztgenannte Zeugnis nur günstige
Censuren aufweisen. Daneben wäre es wünschenswert, wenn auf dem Volks-
schul-Seminar nicht eine, sondern zwei fremde Sprachen ff fakultativ gelehrt wür
den, an deren Unterricht erfolgreich teilgenommen zu haben die Universitäts
Kandidaten nachweisen müßten. Dafür könnte der gesamte musikalische Unterricht
mit Ausnahme des Geigenspiels fakultativ gemacht werden. Diejenigen Lehrer,
die aus irgend einem Grunde die Berechtigung zum Universitätsstudium nicht er
langt hätten, würden zunächst als Hülfslehrer, dann als ordentliche Lehrer an
den ländlichen und städtischen Volksschulen anzustellen sein und könnten es wenig
stens bis zum Leiter einer wenig-klassigen Stadt- oder Landschule (Hauptlehrer)
bringen. Um auch ihnen die Möglichkeit späteren Universitätsstudiums offen zu
halten, wäre eine Ergänzungsprüfung für diese Kategorie von Lehrern einzurichten.
Diesem Übergangsstadium würde endlich als dritte Periode der Lehrerbildung die
Zeit folgen, wo man allen Lehrern aller Schulen eine pädagogisch-wissenschaftliche
ff Vergl. Ev. Schulblatt, 1881. Heft 4—5, Seite 97—104.
ff Allerdings müßte man als Ziel wenigstens für die etwa zu lehrende alte Sprache
sich mit dem Verstehen derselben begnügen und auf schriftliche oder mündliche Beherr
schung verzichten.

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