222 II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Erziehungs- oder Bildungsverein die freie Schulgemeinde darstellt. Sammlungen
bei Vorträgen oder Schulsesten würden vielleicht auch materielle Mittel liefern,
die, zur Beschaffung von Lehrmitteln, Büchern für arme Kinder, zur Einrichtung
einer Volks- und Schulbibliothek verwandt, dem neuen Verein die Sympathie
der verschiedensten Kreise zuzuwenden wohl geeignet wären. Alljährlich bei der
Osterprüfung würde der Lehrer über Gethanes und Geplantes öffentlich berichten
und seine Wünsche äußern, resp. ihre Erfüllung vorbereiten. Es dürfte ihm
z. B. nicht schwer fallen, bei Vorhandensein eines solchen Vereins manche Ver
besserungen, wie die Wahl von Familienvätern in den Schulvorstand, schon jetzt
durchzusetzen.
Am Schluffe unserer Darlegungen aber rufen wir allen, denen^das Wohl
unseres niederen Volkes und seiner Jugend am Herzen liegt, aus tiefster Seele
zu: Helft, daß den Kindern der Armen die Wohlthat eines wahrhaft erziehenden
Unterrichts zu teil werde! Helft, daß ihnen nicht das letzte Rettungsmittel ab
geschnitten werde, sich aus Armut und Niedrigkeit zu erheben! Helft zugleich
denen, die an der geistigen und sittlichen Veredelung dieser Kinder oft mit dem
Aufgebote ihrer letzten Kräfte arbeiten. Helft, ehe es zu spät ist; ehe die geistig
stumpfen, sittlich rohen und religiös-gleichgültigen Massen sich erheben und rächen,
was an ihnen gesündigt ist.
Allen aber die unser Volk lieb haben, rufen wir mit dem Provinzial-
Schulrat Landfermann zu: „Nur durch allgemeine und tiefe intellektuelle
wie sittlich-religiöse Volksbildung kann den Gefahren nachhaltig be
gegnet werden, mit denen die Zukunft schwanger geht/")
II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens, Biogra
phien, Korrespondenzen, Erfahrungen aus dem Schul-
und Lehrerleben.
Gustav Nieritz, ein Liebling der Jugend.
Zu seinem 100. Geburtstage.
Auf der Theresieustraße des an Kunstwerken so überaus reichen Elbflorenz
erhebt sich ein bescheidenes Denkmal. Auf hohem Sockel, den zwei allerliebste
Kindergestalten mit einer schweren Fruchtranke umwinden, steht die lebensgroße
Büste des Jugendschriftstellers Gustav Nieritz. Meister Kietz, der Schöpfer des
Tübinger Uhlanddenkmals hat sie geformt, und Sachsens Schuljugend hat durch
eine Pfennigsammlung die nicht unbedeutenden Kosten aufgebracht, um den Mann
auch äußerlich zu ehren, der sich durch seine vielen Jugendschristeil einen unver
gänglichen Platz in den noch begeisterungsfähigen Kinderherzen erobert hat. In
wenig Tagen vollendet sich das erste Jahrhundert seit der Geburt dieses Schrift-
0 Dörpfeld, Freie Schulgemeinde, S. 317.

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