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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
rüstig erhalten und Ihnen in Ihrem Alter recht viele Freuden geben, da Sie
ja den Kindern so viele Freuden bereiten.
Friederike und Mary v. Hannover.
Dagegen muß auch erwähnt werden, daß Nieritz mit seinen Jugendschriften
viele und sehr heftige Gegner fand. Doch erreichten alle durch die Maßlosigkeit
ihrer Angriffe das Gegenteil des Beabsichtigten: Nieritzens Schriften fanden rei
ßenden Absatz und in der Folge auch reelle Verleger, welche angemessenere Hono
rare zahlten als vordeni Gubitz. So wurde denn die Schriftstellerei für Nieritz
eine nie versiegende Geldquelle, welche ihn vor vielen Sorgen bewahrte. Auch
gewann sie ihm gar manchen Gönner. Durch den Einfluß seines ersten Ver
legers gelangte er schon 1831 zu der längst verdienten Oberlehrerstelle mit 300
Thalern Einkommen. Als zehn Jahre später die Armenschnlen aufgelöst wurden,
übertrug man Nieritz das Direktorat der neugegründeten Bezirksschule in der
Antonvorstadt. Nun stand er auf der Höhe seines Lebens und konnte mit Be
friedigung auf die mutig durchkämpfte, schwere Vergangenheit zurückblicken. Aber
auch die Zukunft war nicht dornenfrei. Seine Kinder starben alle in jungen
Jahren vor ihm bis auf zwei, Frau verwitwete Bürgerschuldirektor Kummer und
Frau verwitwete Kaufmann Methe; beide leben noch in Dresden. Nach 40jähriger
Dienstzeit zog sich Nieritz, eines alten Halsübels wegen, in den verdienten Ruhe
stand zurück. Wie selten einem Lehrer, war es Nieritz beschieden, noch 22 Jahre
seine Pension zu genießen! Manche einflußreiche Bekanntschaften war ihm nun
zu knüpfen vergönnt und nicht wenige Ehrenbezeugungen wurden dem schlichten
Manne gezollt. Überwältigend für ihn war die Feier, welche der Dresdener
pädagogische Verein anläßlich seines 40jährigen Schriftstellerjubiläums ihm am
2. März 1872 veranstaltete. Nicht ohne Rührung liest man die Schilderung
derselben in seiner „Selbstbiographie," die hiermit auch sonst angelegentlichst em
pfohlen werden mag. Am 16. Febr. 1876 verschied Nieritz als 80jähriger Greis
und fand seine Ruhestätte auf dem Neustädter Kirchhofe.
In seiner Biographie schrieb Nieritz als hochbetagter Greis: „Ich bin dar
aus gefaßt, daß mein Name und meine Schriften der Vergessenheit anheimfallen
werden." Diese bescheidene Ansicht über seine Bedeutung hat sich nicht bestätigt.
Ihm zu Ehren nannte die sächsische Hauptstadt eine Straße nach seinem Namen
und sein in jener Gegend befindliches Häuschen heißt noch heute „Nieritzhaus."
Nicht weit davon steht auch das schon eingangs erwähnte Denkmal. Dauernder
als in Stein und Erz aber lebt Nieritz in seinen ewig jungen Schriften, denn
auch eine zweite Vermutung in seiner Biographie: „Andere werden kommen und
es besser machen als ich," hat sich im großen und ganzen noch nicht bewahr
heitet. So lange es noch eine christliche, begeisterungsfähige Jugend giebt, wird
„Vater Nieritz" und seine Schriften unvergessen bleiben! I. Urban.
Vereinigung von Freunden der freien Schulgemeinde.
Zweiter Jahresbericht.
Es hat immer lange Zeit gedauert, bis gute Gedanken im Leben zur Gel
tung gekommen sind. Jahrhunderte mußten dahingehen, bevor die christliche Kirche
zur Reformation reif war. Zwei Menschenalter mußten verstreichen, bevor die

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