Vereinigung von Freunden der freien Schulgemeinde.
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Sehnsucht unsres Volkes nach einem einheitlichen deutschen Reiche in Erfüllung
ging. Wie lange schmachten ferner schon die Bessern unserer Nation nach einer
Reform der öffentlichen Erziehung, und welche schwache Hoffnungen sind es, die
uns die Zukunft bietet. So wird auch die Idee der freien Schulgemeinde sich
nur langsam Bahn brechen. Wir würden uns einer argen Täuschung hingeben,
wenn wir ihre Verwirklichung schon in nächster Zeit erwarteten. Aber das darf
uns nicht veranlassen, unsere Fahne zu senken oder sie gar in den Winkel zu
stellen und die Welt ruhig in ihrem Lause zu lassen. Wir müssen im Dienste
unserer Idee rastlos arbeiten und schaffen, wenn wir uns auch vorerst damit be
gnügen müssen, die Gedankenwelt umzugestalten. Aber dies müssen wir, soweit
es unsere Sache betrifft, jeder an seinem Teile, mit Gründlichkeit und
Umsicht thun.
Von diesem Standpunkte aus betrachtet, hat unsere Vereinigung in dem ab
gelaufenen Jahre ganz Ansehnliches geleistet.
Es ist nach zwei Seiten hin gewirkt worden, einmal dahin, daß die Idee
der freien Schulgemeinde im allgemeinen verfochten und verteidigt worden ist und
dann, daß praktische Gestaltungen ins Leben gerufen bez. gepflegt worden sind,
welche auf eine Realisierung unserer Idee dermaleinst hinführen.
Ad 1. a) Abhandlungen.
Hier ist, auch der Zeit nach, zuerst zu nennen die im evangelischen Schul
blatt veröffentlichte Abhandlung unsres Mitgliedes, des Herrn Hauptlehrers
D a m s in Elberfeld: Herr Rißmann und das Fundamentalstück einer gerechten,
gesunden, freien und friedlichen Schulverfassung. Wer die Ansichten derer kennt,
die alles Heil in der Staatsschule suchen, wird den Wert dieser vortrefflichen Ab
handlung, welche wir unseren Mitgliedern in Separatabdruck zugesendet haben,
voll zu würdigen wissen.
Eine andere wichtige Publikation ist die von unserm Mitgliede Herrn Rektor
Dr. Pohlmann in Werden herausgegebene Schrift: Der Schulfriede, ein Vorschlag
für Friedfertige. Diese Schrift ist vorzugsweise für preußische Verhältnisse be
rechnet. Aber es ist unzweifelhaft, daß wenn die Schulverfassungsfrage in Preußen
in Fluß kommt, die anderen deutschen Staaten dann nicht zurückbleiben können.
Dies Buch ist im Leipziger Tageblatte und in der Rheinisch-Westfälischen Zeitung
eingehend besprochen worden.
Eine dritte beachtenswerte Veröffentlichung von Herrn Gymnasialdirektor
Professor Dr. Fischer in Wiesbaden ist: Ein Schulgesetz auf den Grundlagen der
Gewissensfreiheit und der Selbstverwaltung. Die lesenswerte Abhandlung ist im
„Evangelischen Monatsblatte für die Erziehung in Schule, Haus und Kirche"
erschienen und verdient als eine Stimme aus Süddeutschland besondere Beachtung.
Schließlich sei noch auf die Artikel aufmerksam gemacht, welche im Aprilhefte
der „Allgem. Konserv. Monatsschrift" Herr Fick (Elberfeld) und im Maiheft der
selben Zeitschrift unser Mitglied Herr Hauptlehrer Klempt (Klafeld) veröffentlicht
haben.
b) Versammlungen.
Unser Mitglied Herr Lehrer Arno Fuchs in Vieselbach, jetzt in Berlin, hat,
nachdem er unter dem Titel „Erziehungsrat" seine Ansichten in der Universitäts
zeitung veröffentlicht hatte, zu Pfingsten aus der Thüringer Lehrerversammlung
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