Die deutsche Benennung des menschlichen Körpers und seiner Teile. 23
beiten, schreien. Man hat ein Herz im Leibe, natürlich auch die Seele. Zum
Leibe gehören auch die Glieder. Alle Glieder aber eines Leibes, wiewohl ihrer
viele sind, sind doch nur ein Leib, 1 Kor. 12. Ein schöner, häßlicher, derber,
zarter, elender, gesunder, kranker, müder Leib (wo heute auch Körper gesagt
wird).
Verwandte Wörter: Leib und Leibchen als Kleidungsstück, im Gegensatz zu
Ärmel und Kragen. Leibrock. Leiben, Zeitwort in „wie er leibt und lebt".
Leibhaftig (Leben habend), in persönlicher Erscheinung oder körperlich, dem leiblos
entgegengesetzt. Leiblich 1. persönlich, ein leiblicher Eid unter Berührung der
Reliquien und mit aufgereckten Fingern; 2. den Körper angehend: leibliche
Trübsal, Bedürfnisse, Eigenschaften, Gebrechen; 3. in Bezug auf Geburt und
Verwandtschaft: leibliche Kinder, Brüder, Leibeserben. — Bei Leibesleben ist eine
verstärkende Zusammensetzung, in welcher das erste Glied die Bedeutung des
zweiten hat. Ein jeglicher wird empfahen, nachdem er gehandelt hat bei Leibes
leben, es sei gut oder böse. — Leibeigen, mit der Person eigen, einem andern
zugehörig, ein verstärkter Ausdruck eigen von Knechten und Hörigen (14. Jhdt.).
Leibeigenschaft - immerwährende Knechtschaft. Einleiben, einverleiben (auch bild
lich: einen Artikel einem Buche einverleiben), Einleibung, Einverleibung sind erst
im Neuhochdeutschen aufgekommene Wörter. Leibesübung. Verwandt ist auch
Gottlieb, früher Gotleip, der von Gott übriggelassene, verschonte; jetzt legt man
dem Worte einen andern Sinn unter, der aber doch den alten nahe berührt.
Vorhin ist schon die Verwandtschaft mit kleiden hervorgehoben. Hierher
gehören: kleiden, der Kleiber (ein am Stamm haftender Specht), bekleiden (woran
haften, hangen, bei Pflanzen anwurzeln), kleben (an der Scholle kleben), bekleben
(Hiob 31: Ist etwas (Unrechtes) in meinen Händen beklebet?), klebrig, der
Kleber, Klei (klebriger Lehm), Leber (s. Nr. 60) und klimmen (klimben), am
Baum haften.
2. Der Körper.
Es ist ein Lehnwort aus der lateinischen Sprache, wo es corpus (Gen. cor
poris) lautet. Um das Jahr 1300 begann es sich in Deutschland auszubreiten,
wozu besonders die Geistlichkeit und auch wohl die Arzte beitrugen. Die alte
Sprache gestaltete das Wort etwas anders: Körper, Körper und Körpel. Die
deutsche Endung er hat wohl das männliche Geschlecht mit sich geführt, wie auch
bei dem Worte Keller (von cellarium). Ähnlich geschieht es noch heute mit dem
Worte Meter, obschon es im Gesetze das Meter heißt. — Das Wort erscheint
ursprünglich in der deutschen Sprache vorwiegend in der Bedeutung Leichnam, be
sonders als Leichnam Christi. So heißt es in einem Gedicht:
Der körper, der lichname,
wart gar lobesame
geleget in ein nuwe grap.

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