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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
innig und unzertrennlich verbunden ist.
Denn Christus ist nicht König, ohne
daß er die Wahrheit zeugt, und nicht
Hoherprister, ohne sein heiliges Leben."
Es ist zwar richtig, daß weder die
stofflichen (Lehren, Handeln, Leiden rc.)
noch die zeitlichen Bestandteile (Anfang,
Mitte, Ende) des Lebens Christi sich
rein und ohne Rest nach dem Schema
des dreifachen Aintes gliedern, aber es
handelt sich hier um die begriffliche
Darstellung des Mittlerwerkes im Gegen
satz zur historischen. Der Grund, der
zu diesem, seit Calvin feststehenden,
Lehrstück geführt hat, ist der, „das Ganze
des heilsbegründenden Werkes Christi so
darzustellen, daß sowohl seine Einzig
artigkeit wie sein historischer Zusammen
hang mit dem alten Bunde zur Geltung
kommt." Pfarrer Zurhellen faßt (in
einem am 4. Juni 1884 in Bonn im
wissenschaftlichen Predigervereiu gehaltenen
Vortrage) die Ämterlehre folgenderinaßen.
„Die heilsbegrüudende Thätigkeit Christi
entfaltet sich und erschöpft sich in einem
dreifachen: 1. Zeugnis vom Heil,
2. Versöhnung der Gewissen, 3. Stif
tung der Gemeinde; d. i. ideale, in
dividuelle und sociale Gestaltung der
Gotlesgemeinschaft." Die in Frage
stehende Schwierigkeit ist durch Frage
31 des HeidelbergerKatechismus beseitigt.
Man hat von verschiedener Seite einen
Zusatz zum Apostolikum vorgeschlagen,
der der prophetischen Thätigkeit des Hei
landes gerecht werde. Die apostolischen
Konstitutionen haben dem Symbol zu
gefügt: „Der heilig gewandelt hat nach
den Gesetzen Gottes und seines Vaters";
Nitzsch wollte auf Grund von Apostel
geschichte 10, 38, und Eph. 2, 17 zu
setzen: „er ist umhergezogen und hat
wohlgethan und den Frieden verkündigt."
Indem auch wir mit vielen einen ähn
lichen Zusatz zum Symbol für eine
wünschenswerte Verbesserung desselben
halten, würden wir nach einer historischen
Betrachtung des Lebens Jesu die für
den praktischen Gebrauch durchaus zweck
mäßige und fruchtbare Ämterlehre aus
den Erwartungen der Frommen, die
auf den Trost Israels warteten, sowie
aus dem Urteil seiner Zeitgenossen und
seinenl eigenen Zeugnis im Zusammen
hang mit seiner in den drei verschiedenen
Lebensabschnitten vorwiegenden Thätig
keit ableiten. So wird man sowohl dem
historischen Zusammenhang mit dem A.
Testamente, wie der einzigartigen Be
sonderheit Jesu gerecht.
Obwohl das Frickesche Werk den
Lutherischen Katechismus zu Grunde
legt, wird es auch allen denen, die den
Heidelberger- oder einen Unions-Katechis
mus benutzen, vortreffliche Dienste thun.
Ein verkannter Wohlthäter von
I. Ninck. Gütersloh 1893. Bertels
mann. 7. Auslage. 48 S. 20 Pf.
100 Exl. 10 M.
Der verkannte Wohlthäter, den das
Heftchen in echt populärer Weise zu
Ehren bringen möchte, ist der liebe
Sonntag, das Licht der Woche, die Perle
der Tage, wo Gottes Sonne freundlicher
über dieser Erde zu leuchten scheint als
sonst, der Tag, wo man sich lieb hat,
wie jenes Kind sagte, ein Versöhnungs
tag der Stände, wo man sich des Sonnen
scheins der göttlichen Liebe freut und
auch untereinander lauter Sonnenstrahlen
der Liebe in die Herzen zu senden be
strebt ist. Wenn wir das allezeit recht
bedächten, würden wir uns und anderen
den Segen dieses Tages nicht verkümmern,
wie es leider so oft geschieht. Der
Sonntag ist kein Gebot, sondern ein
Geschenk, mit dem Gott besondere Liebes
absichten gehabt, so dürfen und wollen
wir es dankbar hinnehmen und recht
gebrauchen. R. P... g.
Bemerkung: Um die infolge Ausbleibens eines Manuskriptes ohnehin verzögerte Ausgabe des vor
liegenden Heftes nicht noch mehr hinauszuschieben, geben wir nur U|2 Bogen, wogegen das nächste Heft ent
sprechend umfangreicher werden soll.

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