Zur Frage der Schulgemeinde.
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Verwaltung der Gemeinden auf einen Teil des Schulwesens. Dörpfelds Aus
führungen in dem angegebenen Abschnitte sprechen, was ich gern einräumen will,
für eine gesetzliche Beteiligung der Bevölkerung an der Schulverwaltung; nicht
aber geht aus ihnen hervor, daß die dargelegten günstigen Erfolge nur dann
möglich seien, falls diese Beteiligung in den Formen der Schulgcmeindeverfassung
geschehe.
13. Herr D. bestreitet (S. 301), daß ich recht habe, wenn ich behaupte,
der Grundgedanke der Dörpfeldschen Theorie finde in seiner Ausführung nicht
den seiner Bedeutung entsprechenden Ausdruck. Ich kann mir aber nicht helfen;
wenn ich nach der Entwicklung und Würdigung dieses Grundgedankens lese, was
über Zusammensetzung und Aufgaben der beiden Organe der Schulgemeinde an
gegeben wird, so kommt mir immer wieder das Wort vom „kreisenden Berg und
dem Mäuslein" in den Sinn. Ist die Wirksamkeit der Schulgemeinde thatsächlich
so bedeutungsvoll, so muß diese auch unbedingt mehr Selbständigkeit und mehr
Rechte haben. Zum mindesten darf sie in dieser Hinsicht nicht hinter den be
reits bestehenden Schuldeputationen größerer Städte zurückstehen. Biel weniger
als sie haben auch die Schulvorstände in vielen kleineren Gemeinden des Ostens
nicht zu sagen.
14. Die Frage nach dem Einflüsse des Geistlichen in der Schulgemeinde
läßt sich nicht, wie es Herr D. versucht, durch den Hinweis auf die Zusammen
setzung der Organe derselben beantworten. Ich behaupte nach wie vor, daß be
sonders in kleineren Gemeinden die geistige Überlegenheit des Vertreters der Kirche
in der Regel ausschlaggebend sein wird. Daß zur Zeit noch viele Geistliche
Gegner der Dörpfeldschen Schulversassung sind, hat wohl andere Gründe. Wenn
Herr D. sodann durch Angabe der Pflichten, die den Organen der Schulgemeinde
obliegen sollen, meine Bedenken widerlegen will, so bemerke ich, daß meines Er
achtens Angelegenheiten wie Lehrerwahl, Aufsicht über den Lebenswandel des
Lehrers, Festsetzung des Stundenplans, Auswahl neuer Lernbüch'er, doch wohl
Veranlassung zu principiellen Auseinandersetzungen und damit zur Störung des
Friedens geben könnten.
Wie kommt aber Herr D. dazu, mich (S. 301) als einen Gegner der
Geistlichkeit hinzustellen, dessen Bedenken durch keinerlei Überlegungen sich zerstreuen
ließen? Habe ich ihm dazu etwa, wie ein Satz seiner Ausführungen auf S. 302
vermuten läßt, durch den Ausdruck „Kirchenpfaffe" Veranlassung gegeben? Ja,
der ist doch, wie schon die Anführungsstriche erkennen lassen, Dörpfeld entnommen.
Von Vorurteilslosigkeit mir gegenüber zeugt dies Verfahren meines Gegners
keineswegs. Wie Dörpfeld, so bekämpfe auch ich weder die Kirche noch die
Geistlichkeit an sich, sondern nur jeden Versuch, auf dem Gebiete der Schul
erziehung Einflüsse geltend zu machen, die nicht in dieser sondern in andern Rück
sichten begründet sind.
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