Zur Frage der Schulgemeinde.
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gegen die Kirche. Wenn Herr D. in seiner Liebenswürdigkeit so freundlich ist,
mich jenen im Rheinlande ja nicht unbekannten „Kulturpaukern", die er schlankweg
mit „Liberalen" identifiziert, zuzurechnen, so beweist er eben nur, daß er mich
nicht kennt. Dennoch kann ich ihm vertrauen, daß ich zu der Erkenntnis ge
kommen bin, auch ein religiös und kirchlich gesinnter Mann könne aus pädago
gischen Gründen für die Simnltanschule eintreten. Ich habe keine Veranlassung,
hier ein Bekenntnis abzulegen, bemerke aber, daß ich, falls ich mein Votum für
die Simultanschule abgäbe, mich in sehr guter Gesellschaft befinden würde.
17. Aus meiner Kritik hat Herr D. herausgelesen, daß ich Dörpfeld den
Vertretern eines einseitigen Individualismus auf pädagogischem Gebiet zurechne.
Er wirft mir deshalb Mangel an Überlegung vor und ist schließlich so gütig,
anzunehmen, ich habe den zwischen Dörpfeld und mir bestehenden Gegensatz aus
meiner Phantasie heraus konstruiert (Heft 8 S. 321). Herr Möller (Heft 11
S. 450 und 451), der dagegen meine Abhandlung „Individualismus und Socia
lismus rc." kennt und daraus ersehen hat, daß mir Dörpfelds Stellung in der
hier inbetrachtkommenden Frage wohl bekannt ist, läßt die Möglichkeit offen, mich
für einen unehrlichen Menschen oder für einen konfusen Kopf (so ist doch die Be
merkung S. 451 Z. 20—24 v. o. aufzufassen?) zu erklären. Ich an Herrn
Möllers Stelle würde, falls ich auf einen ähnlichen Widerspruch bei einem sonst
von mir geachteten Schriftsteller — und wenn Herr M. die genannte Abhand
lung gelesen hat, wird er doch wohl bereit sein, mich ein klein wenig zu achten —
gestoßen wäre, nicht gleich mit meinem Urteil fertig gewesen sein, sondern mir ge
sagt haben: Sollte nicht dieser krasse Widerspruch nur in meiner unvollkommnen
Kenntnis von der Meinung des Autors begründet, und dieser möglicherweise doch
imstande sein, ihn zu lösen? Das ist auch hier thatsächlich der Fall. Gewiß
finden sich bei Dörpfeld socialpädagogische Gedanken. In meinem unter 3. an
geführten Aufsatze habe ich die Möglichkeit ausgesprochen, daß dieselben auf An
regungen Magers zurückgeführt werden könnten. Gewisse Differenzpunkte zwischen
Dörpfeld und Ziller haben in diesen socialpädagogischen Anschauungen ihren Grund.
Dennoch wäre es verfehlt, Dörpfeld mit den konsequenten Socialpädagogen, wie
etwa einem Schleiermacher oder einem Graser, in eine Reihe zu stellen. Es ge
bührt ihm neben Willmann das Verdienst, nach langer Pause zuerst wieder social
pädagogische Gedanken ausgesprochen zu haben. Aber weder hat er dieselben zu
einem System ausgestaltet, noch hat er sie in seinen Schriften konsequent zur Au-
wenduug gebracht. Von seinem Schwanken zwischen Social- -und Jndividualprincip
zeugt auch meiner Auffassung nach die hier inredestehende Lehre von der Schul
streiten wird, in einem Vortrage auf dem Deutschen Lehrertage in Hamburg (1880) mit
Entschiedenheit für die Schulgemeinde-Verfassung eintrat. Auf demselben Boden stand
bekanntlich auch der Fortschrittsmann Diesterweg.

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