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I. Abteilung. Abhandlungen.
Verfassung. Gewiß ist die Heranziehung aller Schulinteressenten eine Konsequenz
des Socialprincips. Nicht aber gilt dies, meine ich, von dem andern Hauptpunkte
dieser Lehre: der Konstruktion der Schulgemeinde. Ich werde darauf sofort näher
eingehen. Hier sei nur konstatiert, daß in meiner von den Herren D. und M.
angegriffenen Kritik lediglich das zuletzt Ausgesprochene behauptet war. Man
widerlege mich, aber man dichte mir nicht Widersprüche an.
18. Herr D. hält es für unrichtig, wenn ich angab, Dörpseld lasse die
Schule ihrer Idee nach aus dem Erziehungsinteresse der Familie hervorgehen.
Durch Citate bemüht er sich nachzuweisen, daß derselbe auch dem Staate, der
Kirche und der bürgerlichen Gemeinde Rechte an der Schule einräume. Ja,
das ist mir selbstverständlich auch bekannt. Es trifft aber den Kernpunkt des
Streites nicht. Wenn Dörpseld ausführt, daß die Familie dir „ganze" Er
ziehungsaufgabe zu bedenken habe, während die angeführten anderen Korporationen
nur Teilinteressenten seien; wenn er schreibt, daß bei Mißlingen der Erziehung
die Familie das „volle" Weh zu tragen habe; daß das Recht derselben „min
destens ebenso schwer" wiege als die Teilinteressen der andern Körperschaften;
wenn er in weiser Wahl des Wortes die Anrechte der letzteren als „Beschränkung"
des Familienrechts bezeichnet: dann unterliegt es für mich keinem Zweifel, daß
Dörpseld betreffs der Schule die Familie jenen andern Gemeinschaften nicht gleich
sondern gegenüberstellt. Ihr Interesse an der Schule als das „ganze" um
faßt die „Teilinteressen" jener mit. Meine oben angegebene Auffassung möchte
also wohl, so meine ich, nicht aus der Luft gegriffen sein. Ich halte dafür, daß
eine derartige Auffassung des Verhältnisses zwischen Familie und Schule nur auf
Grundlage des Individualismus möglich ist. Nur dieser kann behaupten, daß
der Familie das „Ganze" der Erziehungsaufgabe obliege. Ich befinde mich auf
anderem Standpunkte und behaupte 1. daß die Schule ihrer Idee nach keineswegs
aus dem Erziehungsinteresse der Familie hervorgehe, sondern ein öffentliches In
stitut, eine Schöpfung der Gesellschaft sei, und 2. daß zwischen Familien- und
Schulerziehung der Idee nach ein wesentlicher Unterschied insofern bestehe, als
erstere vorwiegend (nicht ausschließlich) der individuellen, letztere der socialen Aus
bildung dient.
19. Herr D. schreibt ferner (S. 324), wenn ich behaupte, Dörpseld gründe
die Institution der Schulgemeinde auf das Erziehungsrecht der Eltern, so sei das
ungenau, da seine Untersuchung vielmehr auf sieben ethisch-pädagogischen Grund
sätzen beruhe, aus denen durchweg die Schulgemeinde als das unentbehrlichste Glied
im Schulverwaltungsorganismus hervorginge. Diese sieben Grundsätze finden sich
auf S. 348 des „Fundamentstückes" zusammengestellt. Den 1., der sich auf
das Familienrecht bezieht, übergehe ich. Der 2. lautet: „Es muß die Gewissens
freiheit in Erziehungssachen anerkannt und geschützt sein." Das sollte nur möglich
sein bei Einrichtung der Schulgemeinde? Für mich ist dieser Schluß nicht zwin-

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