Zur Frage der Schulgemeinde.
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gend. Der 3. fordert die Selbstverwaltung im Schulregiment. Diese Forderung
führt nur dann zur Schulgemeinde, wenn man die Schulerziehung ausschließlich
als Familiensache ansieht. Nach dem 4. Satze sollen in den Selbstverwaltungs
organen alle Schulinteressenten vertreten sein. Damit bin auch ich einverstanden,
ohne doch damit auf die Schulgemeinde zu kommen. Der 5. fordert, daß im
Schulregiment die Pädagogik zur Sprache komme, der 6. eine solche Ordnung
desselben, daß in allen Volkskreisen das Erziehungsinteresse geweckt werde, und
der 7., daß die ganze Einrichtung sich als administrativ zweckmäßig erweise. Ja,
das sind alles Forderungen, denen man natürlich zustimmen muß; aber wer in
aller Welt könnte doch von ihnen aus auf die Schulgemeinde kommen, wenn dieser
Begriff nicht schon von vornherein vorhanden wäre? Nach meiner Auffaffung
der angeführten Sätze, die sicherlich von jedem Unparteiischen geteilt wird, ent
wickelt Dörpfeld den Begriff der Schulgemeinde lediglich aus dem ersten derselben,
der das Familienrecht anerkennt, und zieht die übrigen, die ganz allgemeine Forde
rungen an jede Schulverfassung enthalten, nur heran, um dabei zu zeigen, daß
auch die von ihm vertretene Art derselben, also die Schulgemeinde, jenen Forde
rungen entspreche, ja denselben, was natürlich nur seine subjektive Ansicht ist, am
meisten gerecht werde. Nach meiner Überzeugung also gründet Dörpfeld die Idee
der Schulgemeinde ausschließlich auf das angebliche Anrecht der Familie an der
Schulerziehung. Satz 2 bis 7 dagegen enthalten allgemeine Anforderungen, die
an jede Schulverfassung zu stellen sind.
20. Dörpfelds sociologische Ansichten, auf die Herr D. in seinem zweiten
Aussatze mehrfach eingeht, enthalten verschiedene Punkte, in denen ich abweichender
Ansicht bin. Auf dieselben sämtlich einzugehen, würde der beschränkte Raum ver
bieten. Deshalb sei nur zweierlei hervorgehoben. Wenn es sich um das Ver
hältnis des Staates zum Erziehungswesen handelt, so ist derselbe, meine ich, nicht
lediglich als Rechtsgemeinschaft sondern auch als Volksgemeinschaft aufzufassen.
Wenigstens trifft dies in der Gegenwart für die Mehrzahl der europäischen
Staaten, vorzugsweise auch auf den unsrigen, zu. Der Staat, als Nationalstaat
aufgefaßt, ist nicht bloß die ausgleichende Potenz der Rechtsgemeinschaft, sondern
auch der Inhaber und Schützer der nationalen Kultur. Daraus allein schon
möchte aber, meine ich, eine andere Stellung des Staates zur Schule sich er
geben, als ihm von Dörpfeld eingeräumt wird. — Zweitens bin ich damit nicht
einverstanden, daß Dörpfeld das Interesse nicht nur an der religiösen sondern
auch an der sittlichen Seite der Schulerziehung ausschließlich der Kirche zuschreibt.
Die ethische Bedeutung des Staates bleibt dabei unberücksichtigt.
21. Der Gedankengang meiner Kritik der Dörpfeldschen Schulverfassungs
theorie war, kurz gefaßt, folgender:
Ist die Vererbung der Kulturgüter die Hauptaufgabe der Erziehung, so
müssen die Träger der Kultur, also die socialen Verbände, auch Träger des Er

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