Zur Frage der Schulgemeinde.
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Ansicht bringt, und hierauf erst, daß er doch die Schulgemeindeverfassung genauer
kennt, so liegt die Schuld einzig und allein an der Art und Weise der R.schen
Kritik.
Es dürfte auch nicht nachzuweisen sein, daß Dörpfelds Schrift laut ihrem
Titel zunächst als Schutzschrift für die bestehenden Verhältnisse aufgefaßt werden
will. Dagegen sprechen die von mir auf S. 296 und 297 meiner Arbeit an
geführten Aussprüche Dörpfelds, die sämtlich der ersten Lieferung seines Werkes
entnommen sind. Auch führt Dörpfeld die Vorzüge des rheinischen Schulwesens
nicht so sehr aus das Vorhandensein der jetzt bestehenden, als vielmehr der früheren
Schulgemeindeverfassung zurück, die noch eine Repräsentation mit dem Recht der
Lehrerwahl kannte. Es ergiebt sich dies schon daraus, daß Dörpfeld zunächst die
Segnungen der Schulgemeinde und dann erst die Geschichte des niederrheinischen
Schulwesens in den letzten dreißig Jahren preußischer Verwaltung bespricht, wobei
er ausdrücklich bemerkt, daß während dieser Zeit durch die Verstümmelung der
Schulgemeinde an nicht wenigen Orten das Interesse an der Schule merklich
zurückgegangen sei. Darnach dürfte Herr R. wohl schwerlich berechtigt gewesen
sein, die vorhin angeführten und, wie er zugiebt, mißverständlichen Worte der
Beurteilung au die Darstellung der jetzt bestehenden Schulgemeindeverfassung an
zuknüpfen.
Zu 12. In dem geschichtlichen Teile des Fundamentstücks handelt es sich keines
wegs darum, wie Herr R. anzunehmen scheint, den Leser von der Richtigkeit des
Schulgemeindeprincips zu überzeugen, sondern dieser Teil hat den Zweck, das
notwendige Anschauungsmaterial für die nachfolgende theoretische Untersuchung be
reitzustellen, indem gezeigt wird, daß die Segnungen, die der Schulgemeinde
organisation zugeschrieben werden, thatsächlich vorhanden sind. Daß auch eine
andere Schulverfassung eine ähnliche günstige Wirkung auf die Bevölkerung und
den Lehrerstand ausüben kann, wird zunächst nicht bezweifelt, es müßte diese Ver
fassung aber näher dargelegt und ihre Vorzüge müßten genauer nachgewiesen
werden. Wenn Herr R. den Zusammenhang zwischen der Schulgemeinde und
den ihr nachgerühmten Segnungen bestreiten will, so dürfte mau wohl erwarten,
daß er auf Dörpfelds Ausführungen einginge und ihre Unhaltbarkeit im einzelnen
nachzuweisen suchte.
Zu 13. Die Klarheit und Besonnenheit seines Denkens hat Dörpfeld davor
bewahrt, der Schulgemeinde mehr Rechte beizulegen, als zu ihrer gedeihlichen Mit
arbeit erforderlich sind. Jede Übertreibung nach dieser Seite hin würde der An
erkennung seiner Vorschläge, die ohnehin schon mit mancherlei Vorurteilen und
Mißverständnissen zu kämpfen haben, neue Schwierigkeiten in den Weg legen.
Daß die der Schulgeineinde übertragenen Rechte so bedeutungslos sind, wie Herr
R. meint, kann ich nicht zugeben. Wer davon überzeugt ist, daß die Erziehung
hauptsächlich von der Persönlichkeit des Lehrers, sowohl von seiner sittlich ernsten

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