Zur Frage der Schulgemeinde.
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Verfassung in Jiidustriegegendeu mit größeren Schwierigkeiten verbunden sein möge,
aber deshalb nicht unmöglich sei. Die Segnungen der Schulgemeinde werden
allerdings den seßhaften Familien mehr zu teil werden, als der umherziehenden
Bevölkerung.
o) Herr R. hatte behauptet, daß für die Gründung von Schulen nur die
Einheit des Wohnsitzes in Betracht komme. Demgegenüber wurde von mir an
dem Beispiele der Stadt Elberfeld auseinandergesetzt, daß diese Einheit nur in
soweit zu berücksichtigen sei, als die Ausdehnung des Schulbezirks hinsichtlich des
Schulweges eine gewisse Grenze nicht überschreiten dürfe, es sei aber sehr wohl
möglich, daß Kinder derselben Straße verschiedene Schulen besuchen könnten. Dieses
Ergebnis dürfte auch wohl auf eine Reihe größerer Städte Anwendung finden,
ob auch auf Berlin, will ich dahingestellt sein taffen; es wird aber auch wohl
nicht behauptet werden können, daß für die Schuleinrichtung des gesamten preu
ßischen Staates gerade die Berliner Verhältnisse maßgebend sein müssen.
ä) Zu einer solchen Frage ist in Wirklichkeit nur äußerst selten Anlaß ge
geben, vielmehr vollzieht sich die Gründung einer neuen Schulgemeinde zumeist
auf folgende Weise. Anfänglich besuchen die Kinder der konfessionellen Minder
heit eines kleinen Ortes gastweise die dort bestehende einklassige Schule, die hier
zu Lande immer einen konfessionellen Charakter hat. Wächst die Zahl der anders
gläubigen Schüler, so daß die Anstellung einer neuen Lehrkraft nötig wird, so
erhält die konfessionelle Minderheit auf ihren Antrag eine eigene einklassige Kon
fessionsschule. In derselben Weise findet auch die Abzweigung neuer Schulgemeinden
bei gleichem Bekenntnisse statt.
Um jedoch die Frage des Herrn R. zu beantworten, sei angenommen, daß
an einem Orte, der keine Schule hat, 20 evangelische und 20 katholische schul
pflichtige Kinder vorhanden sind. Da diese Schüler bisher nicht ohne Unterricht
geblieben sind, so haben sie entweder gastweise eine benachbarte Schule besucht,
wenn diese einer andern Konfession zugehörte, oder die Eltern hatten als Glieder
der Schulgemeinde das Recht, ihre Kinder in die ihnen zunächst gelegene Schule
zu schicken. Um kein neues Bedenken auskommen zu lassen, mag noch bemerkt
werden, daß es am Niederrhein Schulgemeinden giebt, die sich in zwei Bürger
meistereien, ja in drei laudrätliche Kreise hinein erstrecken. Die Schule liegt in
solchen Fällen an der Grenze dieser Bezirke. Wünschen nun die Eltern beider
Bekenntnisse, vielleicht weil sie ihren Kindern den bisherigen weiten Schulweg
nicht mehr zumuten wollen, eine Schule in ihrem Orte zu besitzen, so schließen
sie sich zu einer Simultanschulgemeinde zusammen, und sie erhalten, falls ihnen
die Gesamtzahl von 40 Schülern einen gesetzlichen Anspruch auf eine öffentliche
Schule verleiht, eine paritätische Simultanschule, natürlich mit derjenigen Ein
richtung, die für Notanstalten dieser Art vorgeschrieben ist.

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