246
I. Abteilung. Abhandlungen.
e) Daß am Niederrhein der Schulgemeinde seit der gesetzlich eingeführten
Freizügigkeit eine immer größere Gegnerschaft erwächst, ist mir nicht bekannt.
Zu 16. Daß die bürgerliche Gemeinde bei der Einrichtung von Schulen
auf die religiöse Überzeugung der Eltern Rücksicht nimmt, ist immerhin möglich.
In Elberfeld und an andern Orten geschieht es wenigstens in Bezug auf die
staatlich bevorzugten Religionsgemeinschaften. Die Schulgemeinde ermöglicht aber
nicht nur die erziehliche Gewissensfreiheit, sondern gewährt und verbürgt ihr auch
den sichersten Schutz. Werden dagegen die Rechte der Schulgemeinde der Kom
mune übertragen, so hängt die Gewissensfreiheit von den wechselnden Majoritäten
der simultanen Schuldeputation und der politischen Windrichtung in Regierungs
kreisen ab. Die Gewissensfreiheit ist also nicht nur nicht mehr geschützt, sondern
durch das Kommunalprincip sogar positiv gefährdet und bedroht. Das beweist
u. a. auch die Thatsache, daß es in den 70er Jahren liberalen Stadtbehörden ge
lungen ist, die Umwandlung konfessioneller Schulen in simultane Anstalten gegen
den Willen konfessionell gesinnter Hausväter durchzusetzen. Ein solches Verhalten
folgt allerdings nicht aus der „Idee des Liberalismus"; welchen praktischen Wert
hat aber diese Idee noch, wenn ihr nicht eine liberale Gesinnung und Handlung
entspricht! Daran fehlt es aber der liberalen Partei. Sie hat thatsächlich un
bekümmert um die Idee des Liberalismus und unter völliger Verkennung aller
wahren Liberalität der Zwangssimultanschule das Wort geredet, gerade so wie die
nicht minder intoleranten und unterdrückungssüchtigen Konservativen für die Zwangs
konfessionsschule eingetreten sind.
Daß nach meiner Ansicht ein Liberaler stets für die Simultanschule eintreten
oder für die Staatsschule schwärmen müsse, ist eine unbegründete Vermutung.
Meine Ausführungen auf S. 312 beziehen sich nicht auf einzelne Personen, die sich
eine selbständige, von der landläufigen Parteiansicht unabhängige Meinung bewahrt
haben, sondern wie aus dem angeführten Abschnitte hervorgeht, auf die Liberalen
als Partei. Auch habe ich in meiner Arbeit nicht, wie Herr R. vorgiebt, die
Anhänger der Simultanschule des Hasses gegen die Kirche beschuldigt oder ihnen
eine religiöse oder kirchliche Gesinnung abgesprochen. Wenn auch manche von
ihnen die Konfessionsschule aus Antipathie gegen Kirche und Geistlichkeit bekämpfen
mögen, so gebe ich doch zu, daß auch ein religiös und kirchlich gesinnter Mann
sich mit der Simultanschulidee befreunden kann. Wenn ich ferner geschrieben habe:
„Auch Herr R. scheint sich die Einführung der Simultanschule ohne Unterdrückung
der Minderheit nicht denken zu können, da er es für einen Mangel hält, daß die
Schulrepräsentation in der von Dörpfeld vorgeschlagenen Zusammensetzung keine
Simultanschule „durchsetzen", mit andern Worten: die Minderheit vergewaltigen
kann", so wird Herr R. damit nicht der liberalen Partei zugerechnet, sondern nur
gesagt, daß er ebenso wie diese Partei an eine gewaltsame Einführung der ge
nannten Schulanstalt denkt.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.