Zur Frage der Schulgemeinde. 247
Zu 17. Ju seiner Beurteilung des Fundamentstücks hat Herr R. auf
Seite 94 geschrieben: „Würde der Begriff der Erziehung erschöpft sein, wenn
man sie als Bildung zur Persönlichkeit auffaßte, wie es der Individualismus thut,
so könnte man allerdings, wie Dörpfeld, annehmen, daß die Schule ihrer Idee
nach lediglich aus dem Erziehungsinteresse der Familie heraus begründet sei. . . .
Jene einseitige Auffassung des Zweckes der Erziehung beruht aber lediglich auf
Erwägungen der pädagogischen Theorie. Eine Analyse der Thatsachen, d. h. der
Erziehung, wie sie in Wirklichkeit zu allen Zeiten vor sich gegangen ist, führt zu
einem andern Ergebnis. Sie zeigt, daß man jederzeit bestrebt gewesen ist, durch
die Erziehung die geistigen Errungenschaften der Menschheit, die Kultur, dem
Heranwachsenden Geschlechte zu vermitteln. Diese Überlieferung ist das Wesentliche
bei der Erziehung .... Hieraus folgt aber eine andere Auffassung von der
Schule. Diese ist nicht, wie der Individualismus will, eine Filiale des Eltern
hauses, sondern eine öffentliche Anstalt, eine Schöpfung der Gesellschaft, deren
Interesse weiter reicht, als das der Familie." Ob Herr R. darnach berechtigt
ist, kurzweg zu konstatieren, er habe nur behauptet, daß die Konstruktion der
Schulgemeinde keine Konsequenz des Socialpriucips sei, erscheint mir doch sehr
fraglich. Jedenfalls wird man es keinem Leser verdenken können, wenn er den
angeführten Worten entnimmt, daß Dörpfeld den Vertretern des einseitigen
Individualismus zuzurechnen sei und Herr R. den entgegengesetzten Standpunkt
einnehme. Daß Herr R. Dörpfelds socialpädagogische Anschauungen gekannt hat,
ist hier nicht weiter in Betracht zu ziehen. Es kommt lediglich auf seine Be
urteilung des Fundamentstücks an und nicht auf Abhandlungen, die er in andern
Schulblättern veröffentlicht hat. Auch wenn ich seine Arbeit über Individualismus
und Socialismus gelesen hätte, so würde mich das nicht abgehalten haben, Dörp
felds socialpädagogische Anschauungen darzulegen, um bei dem Leser der R.schen
Kritik keine irrige Ansicht über Dörpfelds Stellung zu dieser Frage aufkommen
zu lassen.
Zu 18. Dörpfeld sieht die Schule nicht als eine Filiale des Elternhauses
an, sondern als eine öffentliche Anstalt, die allen socialen Gemeinschaften, worin
der Mensch später einmal seine Kräfte bethätigen muß, also dem Staate, der
Kirche, der bürgerlichen Gemeinde und der Familie dienen soll. Wie er vom
Standpunkte der socialen Betrachtung aus seine Schulverfassung begründet, findet
sich auf Seite 244—246 des Fundamentstücks. Aus dem Interesse, das die
genannten vier Gemeinschaften an dem öffentlichen Erziehungswesen haben, leitet
er für eine jede den rechtlichen Anspruch ab, an der Pflege und Verwaltung der
Schule teilzunehmen. Es dürfte sich daraus ergeben, daß Dörpfeld die Schule
ihrer Idee nach aus dem Interesse dieser vier socialen Verbände hervorgehen läßt.
Nehmen wir aber einmal an, daß diese Begründung, die Herrn R. nicht
vorgelegen hat, da zur Zeit der Abfassung seiner Kritik erst zwei Hefte des

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