Zur Frage der Schulgemeinde.
249
ziehlichen Gewissensfreiheit bereits verloren, und ihre beiden Verwaltungskollegieu,
der simultane Gemeinderat und der simultane Gesamtschulvorstand gewähren dann
als solche der Gewissensfreiheit nicht nur keinen Schutz, geschweige eine Bürgschaft
solchen Schutzes, sondern sind vielmehr für dieselbe und namentlich für die Kon
fessionsschule eine stete Gefahr und Bedrohung." Er weist dabei u. a. auch auf
Berlin hin, wo manche Gemeindeschulen, ohne daß ein eigentlicher Simultani-
sierungsbeschluß gefaßt worden ist, als simultane Anstalten behandelt werden, in
dem an ihnen außer evangelischen auch jüdische und vielleicht auch katholische Lehr
kräfte Anstellung finden. Er führt aus, daß die hergebrachte Schulordnung mit
vielen Mängeln und Gebrechen behaftet ist, deren Abstellung zuversichtlich von der
Einführung der Schulgemeindeorganisation zu erwarten ist, allerdings nicht aus
schließlich von der unteren Instanz, sondern von dem vollen Ausbau der Ver
fassung; daß die Segnungen der Selbstverwaltung, insbesondere die Belebung des
Erziehungsinteresses umsomehr zu tage treten werden, je kleiner die Verwaltungs
kreise sind und je mehr Kräfte sich bethätigen können. Er zeigt ferner, daß das
Familienprincip der einzige Weg ist, die Pädagogik frei zu machen und die Schule
den schädigenden Einstüssen des politischen Parteigetriebes, denen sie als Kommunal-
und Staatsanstalt unterworfen ist, zu entziehen, indem sie auf neutralen, eigen
rechtlichen Boden gestellt wird, und endlich hebt er hervor, daß der kommunale
Gesamtschulvorstand im Vergleich zum Schulgemeindevorstand hinsichtlich der Lehrer
wahl, der Aufsichtß- und Pflegeobliegenheiten weniger leistungsfähig ist, die Über
tragung von Amtsbefugnissen bezüglich der Lehrpersonen au Hilfsschulvorsteher der
Würde der Schule widerstreitet und eine Beleidigung des Lehrerstandes einschließt.
Die betreffenden Ausführungen enthalten einen indirekten Beweis für die Richtig
keit der Dörpfeldschen Organisatiousvorschläge, und es kann demnach mit Recht
behauptet werden, daß die ethisch-pädagogischen Grundsätze auf die Schulgemeinde
als auf ein unentbehrliches Glied im Verwaltungsorganismus hinweisen.
Als ein wichtiges Zugeständnis muß es angesehen werden, daß Herr R. die
von Dörpfeld unter Nr. 2—7 genannten Grundsätze als Forderungen anerkennt,
die an jede Schulverfassung zu stellen sind. Wenn er fernerhin im Gegensatze
zu Dörpfelds Vorschlägen das Staats- oder Kommunalprincip vertreten will, so
dürfte es vor allen Dingen darauf ankommen, nachzuweisen, daß diese Art der
Schulverwaltung den von ihm anerkannten ethisch-pädagogischen Anforderungen zum
mindesten in derselben Weise genügt, wie die Schulgemeinde. Bisher ist von den
Gegnern dieser Institution eine solche Arbeit nicht geliefert worden.
Schließlich möchte ich nicht unerwähnt lassen, daß sich Herr R. mit der
Anerkennung des Grundsatzes der Gewissensfreiheit auf die Seite derer stellt, die
jede Anwendung von Zwang bei der Durchführung der Simultanschulidee für
verwerflich halten, während ich ihn, veranlaßt durch eine Wendung seiner Kritik,
den Anhängern der Zwangssimultanschule glaubte zurechnen zu müssen.
19

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.