Die deutsche Benennung des menschlichen Körpers und seiner Teile. 25
nicht Wolle auf dem Körper, sondern auf dem Leibe. Für Leibchen ist bei uns
das französische Wort Korsett eingedrungen, welches mit Körper verwandt
sein soll.
3. Der Leichnam.
Ahd. likkamo, lickamo, mhd. lickame, lickam, auch ahd. lickinamo,
später licknam. Die Zusammensetzung ist erfolgt aus lio, lik Leib und kamo
Kleid, bezeichnet also wörtlich Leibeskleid, leibliches Kleid, Hülle der Seele,
Fleischhülle. Dichter nannten mitunter den Leib das Dach oder die Decke der
Seele. Das Wort bezeichnet ursprünglich und noch in Niederland den lebendigen
Leib, wie die Redensart zeigt: seines Leichnams pflegen. Das abgeschnittene Bein
heilet nicht mehr an den Leichnam. Die Seele guberniert den Leichnam. Der
sterbliche Leichnam beschweret die Seele (Weish. Sal.). Erst später vermittelte
sich durch die Formel „toter Leichnam" die jetzt allein gellende Bedeutung. Luther
hat noch diese Bezeichnung: Tobias ging zu dem toten Leichnam und hub ihn
auf. So ging der Sinn in den der Leiche über. Aber in dem Ausdruck Frou-
licham, Fronleichnam, ist der heilige Leichnam Christi nicht als tot aufzufassen.
Der erste Teil der Zusammensetzung hieß gotisch leik, er bezeichnete nur
Fleisch, im Althochd. bedeutete 11k, llok, später auch leiok, Leib, Fleisch und
auch toter Leib, später sogar die Bestattung (mit der Leiche gehen). Die ur-
sprüngliche Bedeutung des Wortes ist von der eines Aussehens oder einer Gestalt
überhaupt auf die Leibesgestalt und das Aussehen des menschlichen Körpers über
tragen, namentlich soweit Fleisch und Haut dasselbe bestimmt. Die Leiche stellt
ja die äußere Erscheinung noch dar. Man vergleiche das Wort gleich, ahd.
gelick, von derselben Gestalt, Form, Beschaffenheit. Das Zeitwort gleichen,
übereinstimmen, gleich machen und gleichsein, hat denselben Stamm, ebenso die
Nachsilbe lich. Freundlich ist der, welcher das Aussehen, die Gestalt eines
Freundes hat. Welch (wilik) heißt wie beschaffe», solch (solik) so beschaffen.
Von verwandten Ausdrücken seien noch einige aufgezählt. Leichdorn, ein niederd.
Wort, heißt Dorn im Fleisch. Der Sarg hieß früher llekkar. Das kar ist
ein Gefäß, Behälter, Trog. Fischkar ist ein Fischbehälter. Im Jülichschen und
in einem Teile von Westfalen heißt der Bienenkorb nur Beiekar, an der Nahe
der Meisenkasten oder die Meisenfalle Meisenkar. Dieses Wort kar ist ver
wandt mit dem gotischen kas, welches noch in unserm Kasten (Behälter) er
halten ist.
Wenden wir uns zu dem zweiten Teile des Wortes Leichnam, zu kamo,
so bedeutet dieses Decke, Hülle, Kleid. In engster Verbindung mit demselben
stehen Hemde, die Hülle unsers Leibes, und Himmel, die Hülle und Decke
über der Erde. Du breitest aus den Himmel wie einen Teppich (eine Zeltdecke)
(Ps. 104), drückt dieselbe Auffassung aus. Die Verwendung dieses Wortes als
Decke hat einen noch weitern Kreis: Der Himmel über der Kanzel, über der

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