Zur Frage der Schulgemeinde.
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Bewahrung und Vermehrung jener Güter einen hervorragenden Anteil gehabt.
Dem Staate weist Dörpfeld die Oberleitung des gesamten Schulwesens zu, da
neben hält er aber an der selbständigen Bedeutung der Familie, der bürgerlichen
Gemeinde und der Kirche fest, weil sie als nach Ursprung, Wesen und Aufgabe
vom Staate verschiedene sociale Gebilde zu betrachten sind. Für diese Verbände
fordert er auch einen Anteil an der Schulverwaltung, jedoch nicht als ein Privi
legium, das ihnen vom Staate als Ausfluß seiner Souveränetät übertragen wird
und ihnen gelegentlich wieder entzogen werden kann, sondern als ein Recht, das
ihnen nach Vernunft und Moral zukommt, weil sie ein pflichtmäßiges Interesse
an der Jugenderziehung haben. Herr R. nimmt principiell eine andere Stellung
ein, doch läuft seine Überlegung auf einen ähnlichen Ausbau der lokalen Schul
verwaltungsinstanz hinaus, wie bei Dörpfeld. Zwar hält Herr R. es für ver
kehrt, der Familie einen bestimmenden Einfluß auf das öffentliche Erziehungswesen
einzuräumen, weil er sie als eine der Schule nebengeordnete Erziehungsanstalt
betrachtet; andrerseits rechnet er aber auch die Familie zu den Schulinteressenten,
und es erscheint ihm als selbstverständlich, daß sie unter der Autorität der staat
lichen Organe an der Schulverwaltung beteiligt wird. Es ist jedoch nicht recht
ersichtlich, wie diese Beteiligung ohne Bevormundung der Familie anders ermög
licht werden kann, als durch die Einrichtung der Schulgemeinde; ebenso nicht, wie
die Rechte der Kirche, deren Anerkennung sich der Staat bis jetzt nicht hat ent
ziehen können, gewahrt bleiben sollen.
Zu 22, Daß Herr R. die Verbreitung Dörpfeldscher Gedanken befördert
hat, mag zutreffen; seine Beurteilung des Fnndamentstückes, die von manchen
Blättern kritiklos aufgenommen und weitergegeben worden ist, hat sicherlich dazu
nicht beigetragen, sie dürfte vielmehr manchen Leser von einem Studium dieses
Werkes abgeschreckt habe«.
Was sodann die scharfen Ausdrücke uud Wendungen anbetrifft, die in meiner
Arbeit vorkommen und Herrn R. unangenehm berührt haben, so sind sie zum
Teil seiner eigenen Kritik entnommen. Sie würden von mir auch nicht gebraucht
worden sein, wenn Herr R. nicht durch seine heftigen Ausfälle gegen Dörpfeld
und sein Fundamentstück dazu Veranlassung gegeben hätte.
Dem Wunsche, daß die verdienstvollen Arbeiten Dörpfelds über die Schul
verfassungsfrage mehr als bisher von den pädagogischen Zeitschriften beachtet und
einer ernsthaften, sachlichen Kritik unterzogen werden möchten, werden sich alle
Freunde des verstorbenen Verfassers von ganzem Herzen anschließen. Dams.

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