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I. Abteilung. Abhandlungen.
Prozessiousgeistlichkeit; es gab auch Betthimmel und also auch Himmelbetten. Im
Jülichschen heißt der obere Teil des Holzschuhs, der den Fuß deckt, der Himmel,
was dieselbe Apperzeption ist, die am Niederrhein gilt, denn hier heißt dieser Teil
„die Kappe", Hülle, Decke. Im Holländischen heißt der Gaumen, die Decke der
Mundhöhle, gebemelte, verbemelte; der Franzose und Spanier nennt ihn auch
„Himmel des Mundes". Als Verwandte von bamo gelten auch der Hamen,
(in der Bedeutung eingeengt), ein Fangnetz, und hämisch; letzteres in der Be
deutung versteckt, boshaft, heimtückisch, eigentlich wohl verhüllt, dunkel.
Aus dem ahd. bamo ist im 5. Jahrhundert ein lateinisches Wort oarnieia
(Unterkleid) gebildet worden, welches wir im französischen oberniee, Chemisette
und camisole noch besitzen.
Von dem germanischen Stammwort bam (kam), verhüllen und bedecken
geht ferner eine neue Reihe von Wörtern aus: Wenn man das Bedürfnis fühlt,
sich zu verhüllen, so „schämt" man sich. So eröffnet sich die Reihe: scarna,
Scham, schämen, schämig, verschämt, schamhaft, Schamhaftigkeit, schamlos, auch
Schande, schändlich, schänden, alles in engster Verbindung mit bamo, Hemde,
Himmel.
Mit dem Worte lio oder lieh hängt auch die niederdeutsche Bezeichnung
für Narbe zusammen: liblawa, ostfriesisch lik-teken, ein Fleischzeichen, lit-teken,
Mal am Gliede, auch lin-teikeu.
4. Das Haupt.
Der oberste, hervorragende Teil des Körpers. Durch Anlehnung an t ist
p statt b eingetreten. Früher schrieb man mhd. boubet, ahd. baubit, niederd.
bobid, höfd; im 16. und 17. Jahrhundert heubet, heubt, welches noch in
„zu den Häupten" enthalten ist. In einigen Mundarten wird sogar das Wort
zu „Heut" verkürzt. Man leitet zuweilen das Wort so ab, daß man es zu
einem indischen Worte kakubb (Gipfel) stellt und es auf „hervorragen" zurück
führt, woraus dann seine Verwandtschaft mit Haufe, häufeln, mit Haube der
Männer und Frauen hervorgeht. Andere meinen, das Wort Haupt bedeute „um
fassend" — das Gehirn nämlich. Sie stellen das Wort neben das lat. eaput,
welches mit unserm Worte „Hafen" (Topf, irdenes Geschirr, Schale) in Ver
bindung steht. Wenn die letztere Annahme richtig ist, so würde Haupt den
Wörtern Schale, Scherbe, Schädel nahe rücken und der Vorstellung entsprechen,
die dem Worte Kopf zu Grunde liegt, worüber das Nähere folgt.
Seit dem Aufkommen von „Kopf" im 16. Jahrhundert ist Haupt all
mählich in die gehobene Rede gedrängt worden. Doch sind noch Reste von der
alten Weise geblieben. Man sagt noch „einen aufs Haupt schlagen". Ewige
Freude wird über ihrem Haupte sein Jes. 35. Jakob nahm einen Stein und
legte ihn zu seinen Häupten 1. Mos. 28. Jetzt gehört das Wort meist der ge

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