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I. Abteilung. Abhandlungen.
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umgekehrte Weg zweifellos der zweckmäßigere ist. Aber erst dann wird die
Hervorhebung der Lehre zu einem Fehler, wenn man, was Vilmar offenbar mit
seiner Verwerfung meint, Jesu Lehre von seinem Personleben loslöst und als
abstrakte Wahrheiten für sich hinstellt. Das war der grobe Fehler der Auf
klärung, allerdings das notwendige Korrelat der intellektualistischen Orthodoxie,
Leben und Lehre zu trennen, ein Fehler, dem m. W. aber kein echter Herbar-
tianer verfallen ist, am wenigsten Dr. Thrändorf oder Rein-Staude. Behält
man diesen Fehler eben als Fehler fest im Auge, so ist die Betonung des lehr
haften Momentes, des Erkenntnisgewinns, der Aufklärung, oder wie man's be
zeichnen will, durchaus unverfänglich; auch ich meine, daß ,die Zeichen der Zeit'
namentlich auch auf bessere ,Aufklärung' mittels des Unterrichts hindrängen, damit
die grauenvolle Unwissenheit grade in Bezug auf die Grundelemente des Christen
tums gehoben, damit nicht immer wieder Glaube und Fürwahrhalten, Religion
und Religionskenntnis miteinander verwechselt werde. Grade durch die Betrach
tung des Lebens Jesu sollen die Schüler aufgeklärt werden über das, was eigent
lich Christentum ist, aufgeklärt über die innerlich notwendige Verbindung von
Lehre und Leben.
2. Damit stehen wir schon in der Erörterung der zweiten großen Streit
frage drin, der Frage nach dem historisch-pragmatischen Lebensbilde
Jesu. Wir stehen schon drin, sage ich, denn die eben besprochene Methoden-
frage spitzt sich ja schließlich zu der Forderung des historisch-pragmati
schen Verfahrens zu. Wenn auch wir die Lehre nur im Zusammenhange
des Lebens Jesu den Schülern nahe bringen, sie aus dem Leben verständlich
machen wollen und umgekehrt, so haben auch wir das Wesentliche des historisch
pragmatischen Verfahrens auf den Schild erhoben. Jede That und jede Lehre
des Heilandes ist nach Bang, wie wir sahen, zuerst im historisch-pragmatischen
Rahmen bezw. in der durch Zeit, Ort, äußere und innere Umstände gegebenen
Bedeutung für den Herrn und die Seinen zu betrachten. Auf diese Weise giebt
man nicht etwas Abgerissenes, Fertiges, sondern läßt die Schüler die Geschichte
Jesu ganz eigentlich miterleben; sie entsteht neu vor ihren Augen. Das ist es
eigentlich, was Bang will, sofern ich es recht verstanden, das ist es, was er mit
seinem „dringlichen Reformvorschlag" meint. Schwerlich würde sich dagegen ein
wesentlicher Widerspruch erhoben haben. Denn die ganze Entwicklung unseres
biblischen Geschichtsunterrichtes drängt doch ans dieses psychologische Verfahren hin.
Ja, auch die Gewinnung eines wirklichen zusammenhängenden Lebensbildes Jesu
wird schon von vielen Seiten erstrebt; die Arbeiten von Kurtz, Kahle, Buchrucker,
Wangemann, Sperber, Götze u. a. laufen in dieser Richtung. Sogar der offi
zielle Lehrplan für die einfachen Volksschulen des Königreich Sachsen von 1878
fordert eine zusammenhängende Darstellung der Heilsgeschichte unter Hervorhebung
des Lebens Jesu und der Apostelzeit. Und wir wüßten auch nicht, was einen

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