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I. Abteilung. Abhandlungen.
derer Meinung sein als Thrändorf. Auch ich habe früher dem Verfasser dieses
ersten schulmäßigen Lebens Jesu*) aus meinen Bedenken gegen den Matthäus
keinen Hehl gemacht. Mir würde des Markns dramatisches, mit breitem Pinsel
entworfenes und wahrscheinlich ursprünglichstes Bild des Heilandes mit ergänzenden
Stücken aus Lukas als die geeignetere Grundlage für die unterrichtliche Behand
lung des Lebens Jesu erscheinen. Andere werden Lukas' ausführliche und ge
winnende Darstellung vorziehen. Hätte man aber zwischen Matthäus und Jo
hannes zu wählen, so würde doch wohl der Lehrer, der seine Kinder kennt, sich
für Matthäus entscheiden, obwohl Johannes einen besseren historisch-pragmatischen
Rahmen zu bieten scheint.
III.
Ich fasse zusammen und berücksichtige zugleich noch einige andere hierher ge
hörige Arbeiten. Ich erkenne in Bangs Buch ,Das Leben Jesu* einen
Fortschritt in der Methodik unseres Religionsunterrichts an; und zwar erstens
darin, daß cs mit erneuter Energie und großer Wärme die schon mehrfach er
hobene Forderung ausstellt und begründet, Christi Persönlichkeit und
inen schliche an schaubare Erscheinung in den Mittelpunkt des
Religionsunterrichts zu stellen, um die Schüler in einen idealen Um
gang mit dem Heiland zu versetzen und dadurch religiöses Leben in ihnen zu er
zeugen und zu pflegen; sodann darin, daß er für die unterrichtliche Behandlung
die historisch-pragmatische Betrachtungsweise empfiehlt und auf diese
x ) Ich verweise hier den Leser ausdrücklich auf diese verdienstvolle Arbeit von Se
minar-Oberlehrer Dr. Thrändorf, Das Leben Jesu und der zweite Artikel,
(Dresden Bleyl & Kämmerer) die leider bisher im Schulblatt nicht zur Besprechung gekommen
ist, die sie vollauf verdient hätte, und bitte dies zugleich als vorläufige Anzeige^derselben an
zusehen. Ich schließe mich dem Urteil der Deutschen Schulpraxis völlig an: „Das Buch bietet
ein anschauliches, zusammenhängendes und zusamnienstimmendes Bild des Lebens Jesu,
nicht zusammenhangslose Einzelgeschichten, wie die meisten anderen Präparationswerke. Die
einzelnen Einheiten fügen sich ungezwungen innig aneinander. Jede erscheint als notwendige
Fortsetzung der vorhergehenden. So wird in der Seele eine fortlaufende Reihe erzeugt.
Die einzelnen Thatsachen im Leben Jesu werden dem Kinde nicht nur als Episoden be
kannt, sondern es lernt auch die Ursachen und Folgen der Ereignisse kennen. So durch
lebt der Schüler im Geiste das ganze Leben des Herrn in derselben (Weise wie dieser
selbst mit. Der Verkehr zwischen ihm und dem Herrn wird ein so inniger, als ob er
sich wirklich in realer Weise abspielte. Das Kind denkt, fühlt und handelt mit seinem
Erlöser, den es auf allen seinen Wegen begleitet. So wird im Zöglinge religiöses
Fühlen, Denken und Streben erzeugt; so wird die christliche Glaubens- und Sittenlehre
nicht nur in den Verstand hineingebracht; sie dringt vielmehr ohne besondere Veranstal
tungen des Lehrers auch in die Herzen der Schüler." In dem angekündigten späteren
Aufsatz über das Leben Jesu als Katechismusstoff gedenke ich daraus zurückzukommen.
Daß angesichts dieser gründlichen Arbeit behauptet werden konnte, „die methodische Be
arbeitung des Stoffes (nämlich des Lebens Jesu) fehlt ganz," stellt wahrlich nur den
Kritiker selbst in trübes Licht!

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