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I. Abteilung. Abhandlungen.
der Fülle seines Wohlthuns; dazu bedarf es nicht der möglichsten Zuverlässigkeit
des äußeren Lebeusrahmens, auch nicht der pragmatischen Entwicklung
seines Charakters und Messiasgedankens, wozu ja bei dem Mangel an Nachrichten
aus der „Zeit der Stille" bis zum 30. Jahre das grade für die Jugend inter
essanteste und bildendste Anschauungsmaterial uns versagt ist. Die Evangelisten
haben uns nun einmal ein unvollständiges Bild überliefert, eine bloße Aus
wahl (vgl. Joh. 20, 30), wir können unseren Schülern nicht mehr bieten, sollen
nicht unmöglichen Zielen nachjagen und dürfen um des unterrichtlicheu Zwecks
willen auch aus dem Überlieferten noch eine Auswahl treffen.
Auch Rektor I. Schmarje in Altona weist in seinem Vortragt) der ebenfalls
viel von sich reden gemacht, auf den Heliand als Muster hin. „Der abstrakte,
der lehrhafte, dogmatische Christus steht unfaßbar für unsere Sinne wie ein
Schattenriß in der Luft oder blickt wie ein auf Goldgrund gemaltes Heiligenbild aus
einer fremden Welt auf uns herab. Ein lebenswarmes Bild aus realistischem
Hintergründe soll der Unterricht zeichnen. So schildert der Verfasser des Heliand
den Fürsten der Wahrheit, den waltenden Herrn aus Nazarethburg inmitten seiner
Gefolgsleute. Als der Könige reichster, aller Könige kräftigster, der des Himmels
waltet und doch mit festem Schritt auf dem Boden der wirklichen Erde einher
schreitet: so erscheint Christus in realistischer Deutlichkeit." „Die in lockerem
chronologischen Zusammenhang stehenden Geschichten sollen sich
auf der Oberstufe zu einerGeschichte desLebensJesu, zu einem
festgefügten Lebensbilde in pragmatischer Darstellung zusammen
schließen. Die Persönlichkeit Christi aus jeder Einzelgeschichte, aus jedem Ent
wicklungsabschnitt seines Lebens unter Zurückdrängung der rein dogmatischen Ge
sichtspunkte herausleuchten zu lassen, so daß sie den Schülern in lebendiger
Klarheit vor die Seele tritt und sie in dieser Persönlichkeit die Einheit seines
Wirkens in Worten und Werken begreifen: das ist schon auf der Unter- und
Mittelstufe die Aufgabe jeder einzelnett Unterrichtsstunde. So entsteht all
mählich das Material zu einem Charaktergemälde, welches der
Unterricht der Oberstufe in scharf ausgeprägten Zügen von dem
Menschen-Gottessohn entwirft." „Ein nach christlich-pädagogischen Grund
sätzen erteilter Unterricht in der biblischen Geschichte ... legt den Schwerpunkt in
0 Zwei dringliche Reformen auf dem Gebiet des biblischen Ge
schichtsunterrichts. Vortrag, gehalten aus der allgemeinen schleswig-holsteinischen
Lehrerkonferenz in Tondern, 26. Juli 1894 von Joh. Schmarje. Flensburg, Aug.
Westphalen, 25 ©., Pr. 50 Pfg. Ein sehr beachtenswertes Wort, wenn auch die erste
Forderung: „die biblische Geschichte darf erst im zweiten Schuljahre im
Lehrplan auftreten" noch eine offene Frage ist: um so unumwundener wird man
der zweiten zustimmen: der Schwerpunkt des biblischen Geschichtsunter
richts muß in das N. T. verlegt werden.

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