Das Leben Jesu als Lehrstoff.
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das Neue Testament, indem er ein vollständiges und bleibendes Bild des Erlösers
in den Seelen der Kinder erzeugt."
Sem.-Dir. Presting*) stellt ebenfalls wie Schmarje das Alte Testament als
den geringwertigeren Stoff mehr als bisher üblich zurück, um „dem Lehrer Zeit
zu gewähren, Jesum Christum in seiner Schönheit und Herrlichkeit mit starkem
Griffel in die Kinderherzen hineinzuzeichnen." Er strebt freilich^ weder ein voll
ständiges noch ein pragmatisches Lebensbild an, indem er neben „die Geschichte
der dreijährigen Wirksamkeit des Herrn" „die Lehre des Herrn vom Reiche Gottes
in Gleichnissen" stellt und das Material der üblichen^Historienbücher nicht über
schreitet. Aber er „verwebt" wiederum, wie die neueren Historienbücher doch mehr
und mehr thun — wie Hechtenberg, Armstroff rc. „die Stoffe der übrigen Zweige
des Religionsunterrichts" mit der biblischen Geschichte.
Sem.-Dir. Stolzen bürg * 2 ) dagegen bietet ein Leben Jesu zunächst für
ev. Schullehrerseminare und möchte so die in den Allg. Bestimmungen gestellte Auf
gabe lösen helfen, daß die biblische Geschichte des N. T. im Zusammenhange
behandelt werden soll. Das Buch will die mitzubringenden Kenntnisse der Semina
risten „zum vollständigen Verständnis des Lebens Jesu erweitern wie vertiefen."
Verfasser erklärt, hinsichtlich der Anordnung der Ereignisse den Anschauungen und
Grundsätzen gefolgt zu sein, welche heute noch in den meisten Sammlungen der
biblischen Geschichten Beachtung gefunden haben, verzichtet also ausdrücklich auf
den Ruhm eines historisch-pragmatischen Lebensbildes; gleichwohl bietet er in dieser
Richtung vielleicht mehr als er beansprucht, ja zum Teil eine pragmatischere An
ordnung als Bang; wenigstens erscheint der Leitgedanke ,Jesus das Licht der
Welt* ganz vortrefflich durchgeführt in fünf Perioden: Das Licht im Ver
borgenen, Der Aufgang des Lichtes, Kampf des Lichtes mit der Finsternis, Der
vorübergehende Sieg der Finsternis und der Sieg des Lichtes; das ist sachgemäßer
als Bangs vier Jahreszeiten und namentlich tritt die große Epoche des Bruches
mit dem Volke viel schärfer als bei Bang hervor in den drei Abschnitten: Die
beginnende Abkehr des Volkes von Jesu; Die beginnende Abkehr Jesu von dem
Volke, Die Scheidung des Volkes von Jesu, wenn auch, wie natürlich immer bei
solchen Dispositionen, im einzelnen manches anzufechten wäre. Auch das hat mir
sehr gefallen, daß er bei seinem Abschnitt, auf eine bestimmte Einordnung der
Geschichten ganz verzichtend, offen erklärt, daß diese Stücke, Gleichnisse des Lukas
Kap. 10—18 und andere Ereignisse zeitlich nicht zu bestimmen seien; das ist
0 Die biblischen Geschichten des Alten und Neuen Testaments in beschränkter Zahl,
verkürzter Form und neuer Anordnung bearbeitet von Presting, Kgl. Seminardirektor.
Gotha 1895, G. Schloeßmann. 136 S. geb. 65,$fg.
2 ) Das Leben Jesu. Für den Religionsunterricht bearbeitet von Rudolf
Stolzenburg, Kgl. Seminardirektor in Sagan. Gotha 1893, Thienemann. 130 S. geb.
1,60 M.

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