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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
Fr. 1. Ob der Küster selbst Schul halte?
Autw. Daß ist vor diesen Niehmahlen hier so gewesen.
2. Ob er einen Untermeister habe?
Antw. Gleichfalls niemahlen.
3. Ob des Winters sowohl als des Sommers Schule gehalten wird?
Antw. In Keitum Winter und Sommer, aber in die andern drei
Dörffer nicht.
5. Ob auf Ostern oder Michaelis ein Register der Schulkinder gemacht werde?
Antw. Dieses ist allhier nicht gebräuchlich.
6. Ob die Eltern ihre Kinder fleißig senden?
Antw. Darüber ist nicht zu klagen.
7. Ob sie richtig bezahlen und wie viel sie geben?
Antw. Die armen Kinder werden aus der armen Kasse bezahlet und giebt,
der da liefet wöchentlich 1 Pfg., der da schreibt 1*2 Pfg.
9. Was für Schulbücher gebraucht werden?
Antw. 1. Fibel, 2. Katechismi, 3. Evangeli, 4. Gesangbuch und Psalter
und 5. allerhand Frag- und Gebeth-Bücher.
Ob in der Gemeine ein ordentlicher Küster und Schuel-Haus sey?
Antw. Es ist Niemahlen hie ein frembde Küster gewesen und derselbe
hat allezeit sein eigen Hauß gehabt. Die Schuel-Häuser sind a parth
in ein jeder Dorff gehäuert worden.
Ob dem Schuelmeister eine Kuhgräsung auszumachen?
Antw. Dieses dürffte schwerlich zu Practiciren stehen. —
Als bedeutende Lehrer an solchen Privatschulen des vorigen Jahrhunderts
möchte ich noch neben Urban Flor auf Sylt, Haus Momsen in Fahretoft, Okke
Tückes auf Föhr, Jacob Jacobsen auf Sylt, Rörd Jensen und Arfst Hansen von
Föhr, Hans Carstens und Carsten Hansen auf Sylt nennen.
Alle diese und viele andere freie Volkslehrer haben für die Bildung und
Hebung des nordfriesischeu Volkes sehr viel geleistet, sodaß ihre seefahrenden
Schüler sich in der Regel eines ausgezeichneten Rufes erfreuten, wenn sie als
Kapitäne oder Steuerleute aus großen Schiffen Anstellung fanden.
Bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden die Geldbegierde
der seefahrenden Bevölkerung Nordfrieslands, die Seereisen, der Reichtum und die
Weltkenntnis derselben immer größer; die Heimatliebe, das Natioualgefühl, der
Sinn für die alten Rechte und Freiheiten und für die heimatlichen Einrichtungen
immer kleiner. — Nun waren auch im Winter die Seemänner oft nicht daheim;
dem heimischen bis dahin immer mehr sich frei entwickelnden Schulwesen fehlte
die leitende Hand. Die nach Macht und Ansehen strebenden geistlichen und welt
lichen Behörden nahmen sich der Sache an und versuchten, sich die ganze Leitung
des nordfriesischeu Schulwesens anzueignen. Namentlich seit 1760 tritt dieses
Bestreben bei der dänischen Regierung hervor. Sie erteilte Gesetze; beauftragte
die Kirchen- und Schulvisitatoren, überall Kommuneschulen einzurichten; sie nahm
die Prüfung und Bestallung der Lehrer in die Hand, erließ Bestimmungen über
Besoldung der Lehrer und über Erbauung von Schulhäusern und Lehrerwohnungen.
Als aber das Volk sahe, daß die zwangsweise eingeführten Schulen teurer waren
als die freien Volksinstitute, da wurde es wieder rege: nicht um das ihm auf
gedrungene Schulwesen zu fördern, nein, um es hartnäckig zu bekämpfen. So
entstand für die Schule und für die Lehrer eine lange traurige Übergangsperiode,

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