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II. Abteilung. Zur Geschichte des Schulwesens rc.
dient Herr v. Schenckendorff mit seinem warmen Eifer für die Gesundung des
Volkes den Dank aller Lehrer und Schulpfleger. Er hielt am 23. Februar eine
längere Rede im Landtage, um die Absichten der neuen Vereinigung näher dar
zulegen. Manches aus dieser Rede ist auch für unsere Zeitschrift beachtenswert,
zumal sich der Redner ausdrücklich auf Dörpfeld als Vertreter seiner Forderungen
berief.
Herr v. Schenckendorff bezeichnet die Richtung der bestehenden Schule als
„eine zu einseitige, da sie einmal die formale Geistesbildung vorwiegend im
Auge hat und da sie andrerseits einen uniformen Charakter trägt, der den be
sonderen Verhältnissen des Lebens noch viel zu wenig angepaßt ist." Er verlangt
„eine Revision des Lehrstoffs zu dem Zwecke, den heranwachsenden Menschen plan
mäßig mit dem vielgestaltigen und reich entwickelten öffentlichen Leben bekannt zu
machen und zu Schule und Leben in wesentlich engere und lebendigere Beziehung
zu setzen." Die notwendige „Anpassung an die Kulturentwicklung unserer Zeit"
besteht nach Herrn v. Schenckendorff zunächst negativ darin, daß den schädlichen
Kultureinflüssen durch Hinausführen der Volksmasse in die freie Natur,
durch Einflößen der Neigung zu Leibesübungen der verschiedensten Art begegnet
werden soll. Die Bewegung für Jugend- und Volksspiele will „der an Genüssen
so außerordentlich reichen, aber an wirklichen Freuden so herzlich armen, ver
bitterten Zeit entgegenarbeiten und jene Volksheiterkeit des germanischen Stammes
zurückerobern, die ihm bis zum dreißigjährigen Kriege noch in so schönem Maße
eigen war."
Sodann verlangt „die zunehmende Verwahrlosung des Familienlebens, die
zum großen Teil mit daraus zurückzuführen ist, daß die Frau als Hausfrau
weder dasjenige Verständnis noch diejenige Vorbereitung besitzt, die für die ge
ordnete und umsichtige Führung eines einfachen Haushaltes geboten ist, Abhülfe
durch die Erziehung; mit andern Worten, es wird die Einrichtung von Haus
haltungsschulen oder die Einführung der Haushaltskunde in die Schule gefordert.
„Dieselbe ist weiter nichts als eine Ausgestaltung des bereits vorhandenen weib
lichen Handarbeitsunterrichts." — Ferner fehlt uns ,,eine wohlorganisierte wirt
schaftliche Erziehung, wie sie andere Länder vielfach bereits haben." Die Rücksicht
hierauf verlangt, „daß wir alle diejenigen Kräfte und Anlagen schon in dem her
anwachsenden Menschen, also in der Schulerziehung durch den Handfertigkeits
unterricht entwickeln, welche dem Kinde eine größere technische Leistungsfähigkeit
und auch ein Interesse für die wirtschaftliche Arbeit des Lebens geben können."
In Deutschland giebt es schon mehr wie 400 Orte, „wo diese Bestrebungen
bereits in den Handfertigkeitsftuudeu gepflegt werden und Boden gewonnen haben."
Es besteht seit 1887 ein besonderes Seminar des deutschen Vereins für Knabeu-
handarbeit in Leipzig, wo jährlich 100 Lehrer für diesen Unterricht in fünfwöchent
lichen Kursen ausgebildet werden?)
Diese Forderungen begründet der Redner dann noch „von einem allgemeineren
fl Der erste Sommerkursus wird am 27. Juni eröffnet und am 3t. Juli geschlossen:
der zweite vom i. August bis 4. September; der dritte vom 5. September bis 9. Okt.;
auch giebt es Zwischenkurse, die von der Mitte des einen dieser Monate bis zu der des
andern reichen. Anmeldung und weitere Auskunft bei Dir. vr. Götze Leipzig An der
Pleiße 2E.

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