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III. Abteilung. Litterarischer Wegweiser.
schreienden Notstände der Gegenwart
ihnen in der Behandlung gerade dieses
Gebotes stellen.
Dem Referenten waren diejenigen
Auseinandersetzungen besonders bemer
kenswert , welche die bekannte That
sache bestätigen, daß die Familien der
ernsten Pflicht, den Kindern notwendige
-Belehrung über gewisse schwere Ver
suchungen zu geben, nur in den seltensten
Fällen nachkommen. Offene Aussprache
könnte hier gewiß großen Segen stiften.
In anderen Dingen unterweist der Vater
den Sohn aufs Sorgfältigste, lehrt ihn,
sich in den Schwierigkeiten und Gefahren
des täglichen Lebens nach Amt und
Beruf zurechtzuflnden, aber hier verbietet
Gleichgiltigkeit oder eine beklagenswerte,
ängstliche Scheu, mit väterlichem Erust
all das offen zu sagen und zu besprechen,
was, mit dem Reiz des Geheimnisvollen
umkleidet, von unberufener Seite in
verlockender Weise geschildert, Leib und
Seele vergiften kann. Und wie steht's
bei den Mädchen? Hier auf dem Lande
beschränkt sich die ganze Unterweisung
auf eine durch ein besonderes Vorkommnis
in der Verwandtschaft oder Nachbarschaft
veranlaßte Drohung: Daß du dich nicht
unterstehst, mir so nach Hause zu kommen.
Einsichtige Kenner der Verhältnisse und
treue Freunde des Volkes haben als
mahnende Eckarte ihre Stimmen erhoben,
zum Teil vergeblich, wie wir glauben
sagen zu müssen. Darum stimmen wir
v. Rohden bei: „Es wäre eine Aufgabe
für die Sittlichkeitsvereine und alle
Pädagogen und Seelsorger, zu erwägen,
wann und wie am besten solch eine seel
sorgerische Belehrung über das die Jugend
und das ganze Lebensglück bedrohende
Laster vorgenommen werden könnte, ob
etwa bei der Entlassung aus der Schule
oder nach der Konfirmation oder sonst
wie. Jedenfalls müßten hierzu der
Geistliche und Lehrer Hand in Hand
gehen, um ein einheitliches und wirksames
Verfahren herbeizuführen."
Wie dienest du? Ein Wort zu
Nutz und Frommen unserer Dienst
boten. Von Emil Leberecht. Stutt
gart 1892. 4. Auflage. 152 S.
40 Pf.
Das ist ein vortreffliches Büchlein, im
besonderen bei der gegenwärtigen Dienst
botennot, die ja auch mit zur socialen
Frage gehört.
Nach einer Widmung folgen väterliche
Mahnungen, mütterliche Ratschläge, Be
merkungen über Krankheit und Gesund
heit, Feuersgefahr, Sparsamkeit, Be
scheidenheit, Ordnungsliebe, Versorgung,
einige vorzügliche Geschichten aus dem
Leben treuer Dienstmädchen, zum Schluß
ein Verzeichnis evangelischer Mägde
herbergen.
Solch ein Büchlein möchte man jedem
Mädchen in die Hand geben; es ist sehr
anziehend und mit praktischem Blick ge
schrieben und kann, wo man seinen
Mahnungen und Ratschlägen folgt, wohl
mit dazu helfen, frommes Gesinde heran
zuziehen, dies wichtige Stück, das nach
Dr. Luther auch zum täglichen Brot
gehört. Referent hat es gleich nach dem
Lesen in mehreren Exemplaren für seine
Volksbibliothek angeschafft und sorgt
dafür, daß es alle Mädchen im letzten
Jahre des Konfirmanden-Unterrichts lesen.
Jedenfalls wird man nicht umhin können,
mit den Kindern vor ihrer Entlassung
über ihre nächste Zukunft zu sprechen,
hier findet sich dazu eine erwünschte
Anleitung. Übrigens können auch die
„Herrschaften" aus dem Buche sehr viel
lernen, und sie haben es ja, wie die
Erfahrung zeigt, vielfach dringend nötig.
Die einzige Ausstellung, die wir zu
machen hätten, bezieht sich auf den Titel,
statt „Dienstboten" müßte es heißen
„Dienstmädchen", denn nur von diesen
ist die Rede.

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