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Äuguft 1895
I. Abteilung. Abhandlungen.
Welche Anforderungen stellen die Zeitverhältnisse an den
Volksschullehrerstand?')
Von Rektor D. Horn.
Zunächst möchte ich mit einigen Worten das Thema klar stellen.
Es handelt sich um Anforderungen au unsern Stand. Jeder von uns ist
in individuelle Verhältnisse gestellt: Die Eltern unserer Schüler, die kirchliche und
bürgerliche Gemeinde, der Pfarrer und Bürgermeister, der Jnspektionsbezirk und
der Kreis-Schulinspektor, der Regierungsrat geben dem Arbeitsgebiet des einzelnen
Lehrers sein individuelles Gepräge und darnach dem Lehrer seine specielle Auf
gabe. So ist es ein anderes, Lehrer zu sein in der Stadt oder auf dem Lande,
unter landbautreibender Bevölkerung oder in einer Jndustriegegend, unter religiös-
gesinnten Leuten oder unter religiös-gleichgültigen rc. Wie Antäus sich immer
wieder Kraft holte aus der Berührung mit der mütterlichen Erde, so bedarf auch
der Lehrer der innigsten Fühlung mit seinem Interessentenkreise, um sich von der
Eltern- und Geschwisterliebe, dem religiösen Leben, den sittlichen Bestrebungen,
den Bemühungen für das Einzel- und Gemeinwohl anregen und fördern zu
lassen, um auch an seinem Teil mitzuarbeiten für das Wohl des Ganzen. Jeder
Volks-, Schul- und Lehrerfreund wird sich nur darüber freuen, wenn er einen
Lehrer sieht, dem die Bedürfnisse jedes einzelnen seiner Schüler wie die seiner
Gemeinde so am Herzen liegen, daß er ganz in der Sorge um deren Befriedi
gung aufzugehen scheint, als ob er nichts kenne, als seine Gemeinde, seine Schule,
die ihm anvertrauten Kinder.
Und doch wäre es zu tadeln, wenn dieser Schein zur Wahrheit würde. Die
einzelne Schulgemeinde ist ein Glied der Bürgermeisterei, des Kreises, der Pro
vinz, des Staates; die Anordnungen des Lokalschulinspektors erfolgen nach den
Bestimmungen des Kreis-Schulinspektors, der Regierung, des Ministers; dieser
ist abhängig von seinen Räten, dem Landtag, dem Kaiser; die sociale und be-
Z Dieser Vortrag wurde von dem Mitherausgeber d. Bl. am 5. Juni d. I. auf
der Jahresversammlung des Vereins evang. Lehrer und Schulfreunde in Rheinland und
Westfalen in Hagen unter wärmster und allseitigster Zustimmung der ganzen Versamm
lung gehalten: sie forderte auch sofort die Veröffentlichung desselben und seine Ver
breitung über den Leserkreis des Schulblattes hinaus. D. Schriftl.

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