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I. Abteilung. Abhandlungen.
ebensowenig aufkommen, wie ein persönliches Verhältnis der Lehrer zu den Schü
lern und deren Eltern. Da in der Arbeit selbst wenig Befriedigendes und Er
hebendes liegt, ist es nicht zu verwundern, daß der Blick umsomehr auf die
Besoldung gewandt und die Besserung der Gehaltsverhältnisse als ein Haupt
anliegen betrieben wird. Da das persönliche Verhältnis zwischen dem Leiter einer
Schule und den ihm unterstellten Lehrern um so schwieriger wird, je größer das
System ist, so ist es nicht zu verwundern, daß dies Verhältnis in unserer Zeit,
namentlich in den größeren Städten, viel zu wünschen läßt. — Rechnet mau noch
den mit der Centralisation der städtischen Verwaltung fast unabtrennlich ver
bundenen Mangel aller eigentlichen Schulpflege, das Hervorkehren des Äußerlichen
in der Schularbeit, die unglückliche Verquickung der Schuldinge mit dem Partei
wesen hinzu, so kann es dem ruhigen Beobachter nicht fraglich sein, daß die
Volksschule bei der Kommune nicht in den rechten Händen ist.
Ich weiß von mehr als einem Regierungsrat, daß die Schulbehörde die
Entwicklung der Schuldinge mit Sorge betrachtet und gern Wandel schaffte. Weil
wir kein Schulgesetz haben, so konnte es bisher schon leicht geschehen, daß die
Bezirksregierung, wenn sie Maßnahmen traf gegen Kommunen, die das Lehrer
gehalt nicht auf eine von ihr als notwendig erachtete Höhe bringen wollten, von
dem Verwaltungsgerichtshof desavouiert wurde. Die neue Kreis- und Provinzial
ordnung hat die Macht, namentlich der größeren Kommunen nur noch gesteigert.
Nach der rheinischen Provinzialordnung bilden Städte von mehr als 40 000 Ein
wohnern einen Kreis für sich. Der Kreis- und Bezirksausschuß bilden in allen
äußeren Schulfrageu die ersten Berufungsinstanzen. — Wie für andere Kreis
anliegen, kann der Kreisstand auch für die Schulfrage eine besondere Kommission
ernennen und ihr eine besondere Aufmerksamkeit widmen, er kann aber auch die
Volksschule als ein lästiges Institut ansehen, was viel Geld kostet, und das
scheinen die Kreisftände im Osten vorwiegend gethan und damit treulich geholfen
zu haben, die Notwendigkeit des Erlasses eines Schulgesetzes jedem Volksfreunde
deutlich zu machen. — So viel ich weiß, haben unsere rheinisch-westfälischen Kreis-
und Provinzialstände noch keinen Grund zu Mißtrauen gegeben; jedenfalls ist es
aber unsere Aufgabe, sie unserer Sache günstig zu stimmen, sie davon zu über
zeugen, daß die Volksschule nicht nur ein Institut ist, das viel Geld kostet, son
dern auch eine Anstalt, von der ein Segen ausgeht, der nicht mit Geld zu be
zahlen und die wohl wert ist, daß mau ihrem Gedeihen jedes Opfer bringt.
Halte ich so Umschau in dem Kreise der die Volksschule betreffenden Dinge,
so ergiebt sich für mich folgendes: Die Einrichtung der Mittelschul- und Rektor
prüfung hat unserm Stande die rechtliche Basis für einen Fortschritt von höchster
Bedeutung gegeben. Die großen Aufgaben, die die veränderten wirtschaftlichen
und socialen Verhältnisse der Jugenderziehung stellen, die im Fluß befindlichen
rechtlichen Verhältnisse der Volksschule, das Wohlwollen der Schulbehörden bieten

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