292
I. Abteilung. Abhandlungen.
den Mittel- und ähnlichen Schulen einzurücken? Durch die letzten Bestimmungen
des Herrn Ministers über die Beschäftigung von Theologen an höheren Privat
schulen und über die Rektorprüfung von Theologen ist diesen der Eintritt in den
Schuldienst und in die leitenden Schulstellen besonders nahe gelegt.
Es ist gewiß nicht billig, daß man die Rektorstellen an Mittel- und ähn
lichen Schulen andern Leuten giebt, wenn sich vollaus qualifizierte seminaristisch
gebildete Bewerber vorfinden, aber mit dieser Erkenntnis darf man sich nicht be
ruhigen. Hat sich einmal ein Usus dahiu festgesetzt, die Leitung der Mittel
schulen akademisch gebildeten Lehrern zu übergeben, an den Töchterschulen die
seminaristisch gebildeten Lehrer als Lehrer niederer Ordnung anzusehen, so ist es
schwer, wenn nicht unmöglich, darin Wandel zu schaffen, und so entsteht für
uns die dringende Frage: Was ist zu thun, damit es nicht zu diesem Usus
komme?
Auf zwei Stellen muß ich hinweisen, an denen eine schlimme Verschuldung
unsers Standes vorliegt.
Wenn ich vor 30 Jahren mit dem alten Harkort über die Schulverhältnisse
in der Mark, speciell über die Dortmunder sprach, so sagte er wohl ganz ärger
lich: Die Lehrer sind es selbst schuld, daß sie immer noch unter fremder Vor
mundschaft stehen. Da ist in D. der alte verdiente Schmitz, den würde man
gern zum Leiter der evangelischen Schulen machen, wenn nur nicht die Eifersucht
der Kollegen wäre, die es nicht dazu kommen läßt. Jeden andern lassen sie sich
eher als Vorgesetzten gefallen, als einen Kollegen. — Ich habe es schon vorhin
angedeutet, wie schwer es in den größeren Städten den Schulleitern wie ihren
untergebenen Kollegen gemacht wird, ein freundliches persönliches Verhältnis auf
recht zu erhalten. Diese Schwierigkeit erkennt aber das beobachtende Publikum
nicht genug, um mit ihr die Vorkommnisse zu entschuldigen; es sieht nur, was
zu tage tritt, und da liegt ihm die Frage nahe: Was soll man von einem
Stande erwarten, in dem die Untergebenen nicht zu gehorchen und die Vorgesetzten
nicht zu leiten verstehen? Was sind das für Hauptlehrer und Rektoren, die
mit ihren Kollegen nur verkehren, wenn sie amtliche Mitteilungen zu machen oder
Anordnungen zu treffen haben, die das Restaurant meiden, in dem ihre Mit
arbeiter zu verkehren pfiegen, und sich an einen andern Tisch setzen, wenn sie
zufällig mal mit ihnen in demselben Lokal zusammentreffen? Was sind das für
Klassenlehrer, die kaum anders als übel von ihren Leitern reden, die nicht be
greifen, daß in den großen Systemen peinlichste Ausführung der einmal festgesetzten
Arbeitsordnung notwendig ist, daß der Hauptlehrer nur thut, was seines Amtes
ist, wenn er diese Ausführung sorgsam überwacht und jeder Abweichung in irgend
wesentlichen Dingen bestimmt entgegentritt? Solche Fragen liegen dem Publikum
umsomehr nahe, da es in andern Ständen, bei den Geistlichen, den Richtern, den

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.