Anforderungen der Zeitverhältnisse an den Volksschullehrerstand. 297
Die Pflege der Beziehungen zu den übrigen Erziehungsfaktoren ist nicht so
schwer, wie mancher glaubt.
Für die Stellung der Eltern zum Lehrer kommt es wesentlich darauf an,
ob sie die Überzeugung haben, daß das Wohl speciell ihres Kindes dem Lehrer
am Herzen liegt. Es ist ein wunderbar Ding, wie schwer es auch den Ver
kommenen wird, die sittlichen Regungen in ihrem Innern ganz zu unterdrücken
und wie tief Gott die Sorge für das wahre Wohl der Kinder in der Eltern
Herz gelegt hat. Ich habe mir von manchen Kollegen erzählen lassen, die die
Eltern all ihrer Schüler fleißig besuchten, am fleißigsten die, wo allerlei zu wün
schen war; ich habe aber von keinem gehört, daß er nicht freundlich wäre auf
genommen worden; oft hatte der angeknüpfte Verkehr Folgen so erfreulicher Art,
wie man es gar nicht hätte erwarten können.
Die Stellung der Lehrer zu den Geistlichen ist durch die Lokalschulinspektion
vielfach getrübt worden. Lokalschulinspektion sollte überhaupt nicht sein, sondern
durch Schulpflege durch einen mehrgliedrigen Schulvorstand ersetzt werden. In
unserm Westen nehmen wohl die meisten Pfarrer eine solche Stellung zu dieser
Frage ein, daß durch sie keine Trübung mehr in das Verhältnis zwischen den
beiden Arbeitsgenossen kommen sollte.
Es sind dieselben Zeitverhältnisse, denen auch die Pfarrer gegenüber stehen,
und ich möchte glauben, daß die Frage: Was hat die Kirche zu thun, um den
neuen Verhältnissen gegenüber ihre Pflicht zu erfüllen? eine recht schwierige sei.
Wenn die Hausfrau sieht, daß das Feuer des Herdes zu verlöschen droht,
so schiebt sie die glimmenden Kohlen um so sorgfältiger zusammen, je kleiner das
Feuer ist, damit der Brand der einen den der andern fördere. Sollte nicht das
so vielfach beklagte Erlahmen des religiösen Interesses dazu treiben, von dem
Thun der Hausfrau zu lernen? Vor 60 Jahren hat Zahn einen solchen
Konzentrationsgedanken in Bezug auf die Pflege des religiösen Lebens in Kirche,
Schule und Haus entwickelt und ihn seinen Biblischen Historien und dem Bibel
kalender zu Grunde gelegt. In dem Bibelkalender hat Zahn für die Hausandacht
nach dem Gang des Kirchenjahres für jeden Tag einen geschichtlichen Bibelabschnitt,
daneben auch ein anschließendes Stück aus den Lehrschriften rc. ausgewählt; aus
demselben Gebiet nimmt die Schule ihre Historien, Bibellesestücke, Sprüche, Lieder
verse. Dann wünscht Zahn, daß auch der Pfarrer in seiner Predigt und bei
seinen Hausbesuchen diesen Gedankenkreis pflege. Wo das geschähe, da könne man
sagen, daß das Wort Gottes reichlich in der Gemeinde wohne. Es ist in den
letzten Jahren .'viel darüber verhandelt worden, wie Kirche und Schule in der
religiösen Unterweisung der Jugend auf einander Rücksicht nehmen und sich in
ihrer Arbeit fördern können. Ich muß gestehen, daß von all de» Vorschlägen
keiner auch nur entfernt an den großartigen Zahnschen Konzentrationsgedanken
heranreicht. Ich habe ihn im Ev. Schulblatt, im Kirchl. Monatsblatt, im Duis

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