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I. Abteilung. Abhandlungen.
burger Sonntagsblatt und sonstwo verschiedentlich wieder in Erinnerung gebracht,
leider ohne Erfolg. Er beschränkt ja die Freiheit der Bewegung, stellt auch hohe
Anforderungen, wenn er recht ausgeführt werden soll, an die Beteiligten, dafür
würde aber auch der Erfolg um so erfreulicher sein, daß alles dies reichlich aus
gewogen würde. Wenn man gegen den Zahnschen Gedanken sich darauf beruft,
daß die Zahl der Familien, in denen eine Hausandacht gehalten wird, zu klein
sei, um eine solche Rücksichtnahme zu rechtfertigen, so möchte ich dem gegenüber
nochmals auf das vorhin erwähnte Thun der Hausfrau hinweisen, und dann die
Frage anknüpfen, welches wohl der Sinn der Geschichte sei, in der uns erzählt
wird, daß Gott der Stadt Sodom vergeben wollte um zehn Gerechter willen.
Weiter möchte ich in Bezug auf die Beziehungen zwischen Pfarrern und
Lehrern noch auf zwei Stücke hinweisen.
Zunächst auf die Bibelkonferenzen. — Dörpfeld betonte gern: Nichts liegt
mir bei meiner Arbeit für die Schule mehr am Herzen, als die Gesundheit
des Lehrerstandes. Für deren Gewinnung und Pflege erachtete er mit Recht als
das vorzüglichste Mittel in rechter Weise veranstaltete Bibelbesprechungen. Darum
hat er auch für sie ganz besonders gearbeitet, für sie die größten Opfer gebracht.
Wenn er in den Zusammenkünften auch wesentlich nur gab und wenig empfing,
so war er doch der treueste Besucher, und es mußten ganz ungewöhnliche Hinder
nisse ihm in den Weg treten, wenn er einmal fehlen sollte.
Als gleichzeitig mit unserm Verein evangelischer Lehrer und Schulfreunde hier
in der Mark und im nördlichen Rheinlande vor fast 50 Jahren die Bibelkonfe
renzen reichlicher ins Leben traten, fanden sie bei den Vertretern der Kirche nicht
gerade eine freundliche Aufnahme. In Hagen, in der Milspe, in Schwelm,
Barmen, Lennep, Vohwinkel nahm kein Pfarrer an ihnen teil; der Präses der
westfälischen Provinzialsynode verglich sie dem Höhendienst in Israel, und auch
sonstwo konnte man wunderliche Urteile über sie hören. Damit ist es in er
freulicher Weise anders geworden; schwerlich fällen noch Pfarrer ein unfreundliches
Urteil über sie, manche aber sind fleißige Mitglieder geworden.
Unser Verein hat die Pflege der Bibelkonferenzen unter seinen Gliedern
statutengemäß zu einem seiner Hauptanliegen gemacht. Leider aber müssen wir
bekennen, daß die so außerordentlich wichtigen Konferenzen nicht in der Blüte
stehen, die man ihnen wünschen sollte. Je mehr unser großer Minister v. Stein
zu arbeiten hatte, um so ängstlicher sorgte er dafür, und mußte er die Zeit dem
Schlafe abringen, daß er sich vor seinem Gott besinnen, sammeln und zu rechtem
Thun bereiten konnte; so sollten auch wir uns durch das Getriebe der Zeit nicht
abhalten lassen, unsere Bibelkonferenzen zu halten, und daran denken, daß wir sie
um so nötiger haben, je weniger wir uns auf sie hingewiesen fühlen. —
Das zweite Stück ist die allgemeine Ethik. Wohl sagt ein lateinisches
Sprichwort: Über den Geschmack ist nicht zu streiten; daß es aber nichtsdefto-

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