I. Abteilung. Abhandlungen.
Dörpfeld und die religiösen Klassiker.
Von Dr G. von Rohden.
Der dritte Band von Dörpfelds gesammelten Schriften liegt vor. Er be
handelt das Lebens- und Schulgebiet, in dem Dörpfeld die Wurzeln seiner Kraft
erblickte, das religiöse. Wer Dörpfeld noch nicht kannte und diesen Band auf
merksam liest, wird darüber staunen, welche bedeutsamen, umfassenden Grundsätze
für die Reform des Religionsunterrichts, die jetzt erst mühsam sich durchzuringen
beginnen, dieser Volksschullehrer schon vor 30 Jahren aufgestellt und allseitig
bearbeitet hat; er wird staunen, wie tief solch ein „Laie" nicht nur die Aufgabe
des Religionsunterrichts erfaßte, sondern auch die Bedingungen für die Lösung
dieser Aufgabe aus dem innersten Wesen der christlichen Religion aufzuweisen
verstand; wie gründlich theologisch er den Religionsunterricht fundamentierte, ohne
ihn doch aus der Theologie ableiten oder ihr gemäß bestimmen zu wollen. Nicht
wie sonst, zumal bei theologisch gebildeten Schulmännern so häufig der Fall —
die Umsetzung der Theologie in schulmäßige Kleinarbeit war sein Streben, viel
mehr die Berichtigung der Theologie gemäß den Anforderungen der religiösen
Erziehung des Volkes. Von diesem Streben Dörpfelds wird eine besondere nach
gelassene Schrift Zeugnis ablegen, auf die wir noch mehrfach zurückkommen werden.
Hier soll uns nur der dritte Band beschäftigen, die unter dem Titel „Religiöses
und Religionsunterrichtliches" zusammengefaßten verschiedenartigen Aufsätze aus
dem Schulblatt und die beiden Worte zum Enchiridion.
Sehe ich recht, so läßt sich die bleibende Bedeutung der Dörpfeldschen Reform
gedanken in Bezug auf den Religionsunterricht in seine Auffassung der bibli
schen Schriftsteller als der „religiösen Klassiker aller Völker und
Zeiten" setzen (3. Bd., II, S. 21. 34?) Alles, was er über die Forderung
der „Anschaulichkeit und Erbaulichkeit" und die Behandlung des
Religionsunterrichts als Gewissenssache so eindringlich vorträgt, läßt sich auf
diese originale und durchschlagende Idee zurückführen. Man würde nämlich sehr
irren, wenn man diese Bezeichnung der heiligen Schriftsteller als „Klassiker"
nur für einen geistreichen Einfall, für einen Kunstgriff hielte, womit etwa den
l ) Der dritte Band hat zwei Teile, die hier mit I u. II bezeichnet werden.
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