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I. Abteilung. Abhandlungen.
müssen aber nicht glauben, daß so umfang- und inhaltreiche Werke, wie das
Fundameiitstück oder gar die freie Schulgemeinde gelesen würden. Es bedarf
einer volkstümlich gehaltenen, kurz gefaßten Schrift über die Schulgemeinde, sonst
dringt der Gedanke nicht ins Volk. Auch Dörpfeld hat mir wiederholt die Not
wendigkeit einer solchen betont.
Dann muß durch unsere Wirksamkeit unter unsere Schulinteressenten der
Schulgemeindegedanke gepflegt werden. Das kann geschehen im Verkehr mit den
Einzelnen, bei Familienfestlichkeiten, Kindtaufen rc., in volkstümlichen Vorträgen
in den Elternabenden und dergl. Klingeuburg in Ickten hatte einen Leseverein,
den man in gewissem Sinne das Ideal eines Vereins zur Belebung der Schul
gemeinde nennen könnte. Gegründet mit einigen Landleuten an Schillers hundert
jährigem Geburtstag, um sich gemeinsam unserer klassischen Litteratur zu erfreuen,
hat sich der Verein nach den, verschiedensten Seiten für das Gemeindeleben, na
mentlich auch für die Schule, segensreich erwiesen. Der Verein blüht noch, und
ich hoffe in nächster Zeit die nötige Muße zur Erfüllung des langgehegten
Wunsches, die Geschichte dieses Vereins zu schreiben, zu finden. An andern Orten
haben landwirtschaftliche, wieder an andern Bürgervereine ähnliche Dienste gethan.
Wo man überhaupt Leute des Bezirks, namentlich einflußreichere Leute guter Ge
sinnung versammelt hat, da ist es doch nicht schwer, einmal diese, ein andermal
eine andere Frage zur Sprache zu bringen und an ihnen die Leute zu überzeugen,
daß es eine Menge Fragen giebt, die ein allgemeines Interesse haben und an
denen ein an das Gemeinwohl denkender Mensch nicht vorübergehen kann, und
von denen manche so geartet sind, daß sie nur mit gemeinsamer Kraft können
gelöst werden. —
Je größer die Aufgaben sind, die sich dem Lehrerstande in unserer Zeit
ergeben, umsomehr sollte uns auch die Gesundheit unsers Standes am Herzen
liegen. Ich habe schon verschiedentlich auf diesen Punkt gewiesen. Hier mag noch
zweierlei erwähnt werden.
Man hat vielfach dafür gehalten, durch Lehrermangel die Stellung des
Lehrers bessern zu können. Ich kann diese Ansicht nicht teilen, halte vielmehr
dafür, daß die Schätzung eines Standes wesentlich durch den Wert seiner Glieder
bedingt ist. Es ist kein Wunder, daß in unserer materiellen Zeit viele sich dem
Lehrerberufe zuwenden lediglich mit Rücksicht auf das zu erwartende Gehalt und
überhaupt die äußere Stellung. So drängen sich nicht bloß aus den niedern
Ständen junge Leute herzu, sondern auch aus gutsituierten, denen der Weg durch
die höhere Schule zu umständlich, schwierig und in seinem Resultat zu unsicher
ist. Aus der Präparandenanstalt und dem Seminar kann man solche nicht in
den Lehrerstand gehörenden Elemente nur entfernen, wenn sie einen handgreiflichen
Anlaß dazu bieten. Sie wären besser vorher zurückgehalten, oder, wenn sie sich
doch um Aufnahme meldeten, als bedenklich charakterisiert worden. Herrscht in

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