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I. Abteilung. Abhandlungen.
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angenehm scheint. Wie oft werden nicht Gebrechen einzelner Kollegen gehörig ins
Licht gestellt und wird dann im Anschluß daran von der Gemeinschaft gesagt:
Solche Leute kann man doch nicht achten, ihnen Vergünstigungen gewähren und
dergl. Wollen wir also nicht aus höherem Interesse Front machen gegen das,
was in unserm Stande nicht taugt, so sollten wir es aus trivialer Klugheit thun.
Wir dürfen nicht erwarten, daß man uns hört, vor uns Respekt hat, so lange
man uns eine Gemeinschaft anhängen kann, vor der niemand Achtung hegt.
Zum Schluß möchte ich noch mit wenigen Worten eine sehr wichtige An
gelegenheit berühren, die Frage der Bundesgenossenschaft.
1884 hielt Direktor Frick von Halle auf dem Schulkongreß in Stuttgart
seinen Vortrag über die Einheit der Schule und leistete damit auch der Volks
schule einen großen Dienst. Schon vorher hatte er mit der Herausgabe der Lehr
proben und Lehrgänge begonnen, in denen er für eine Gestaltung des höhern
Unterrichts im Sinne Herbarts eintrat. Frick war ein allgemein und pädagogisch
fein gebildeter Mann; an zehn Gymnasien ist er Lehrer oder Direktor und zuletzt
Leiter der fast alle Schularten umfassenden Franckeschen Stiftungen gewesen, und
so war er auch ein Mann reicher Erfahrung. Den Volksschullchrern kam er in
der kollegialischsten Weise entgegen und begann seine „Lehrproben" so, daß wir
hätten aus ihnen lernen und an ihnen mitarbeiten können. Um Ihnen anschaulich
zu zeigen, was Frick für uns war, will ich ein Selbstbekenntnis von ihm, eine
Stelle aus dem von ihm gesprochenen Schlußwort auf dem Stuttgarter Kongreß
hier anführen, im übrigen auf meinen Artikel über seine Bestrebungen im Ev.
Schulblatt von 1885 verweisen.
Frick sagte:
„Ich bitte hier ein persönliches Bekenntnis ablegen zu dürfen. Ich bin eines
Landpastors Sohn, der zugleich ein von den Lehrern seines Bezirks hochverehrter
Schulinspektor war. Sein kollegialisch freundschaftlicher Verkehr mit den Lehrern
seiner Inspektion hat so freundliche Bilder in der Erinnerung meiner Jugendzeit
zurückgelassen, daß ich darauf das früheste Interesse an dem Stande, gerade auch
der Volksschullehrer zurückführe. Ich habe, dadurch angeregt, selbst dann zu allen
Zeiten seit den ersten Anfängen meines Gymnasiallehreramts die Berührung mit
der Volksschule gesucht, an den Lehrerkonferenzen derselben eifrig teilgenommen,
mich um den Umgang mit hervorragenden Vertretern dieses Unterrichts bemüht,
habe als Mitglied einer städtischen Schuldeputation und infolge der Organisation
von Vorschulen mich eingehend mit den Einrichtungen des Volksschulwesens be
schäftigt, habe pädagogische Vereinigungen geleitet, an welchen die Lehrer einer
Stadt ohne Rücksicht auf ihren sonstigen Bildungsgang als einheitlich verbundene
Schulmeister teilnahmen, habe mit besonderer Vorliebe in den Seminarien für
Volksschullehrer hospitiert, — alles weit mehr um zu lernen und zu empfangen
als zu lehren und mitzuteilen, stets zu eignem reichem Gewinn und zu frucht-

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