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I. Abteilung. Abhandlungen.
greifen, ihm bezeugen müssen, daß wir gern von ihm lernten, ihm für seine Hilfe
dankbar seien und ihn in jeder Weise unterstützen würden?
Soviel ich weiß, ist von den „Lehrproben", wie überhaupt von den Be
strebungen des Herrn Direktor Frick in unserm Kreise wenig Notiz genommen.
Wohl wissen wir, daß die Hauptwurzel unserer Schnlschäden darin liegt, daß die
wissenschaftliche Pädagogik nicht zu ihrem Recht kommt bei der Gestaltung der
Schuldinge; auf alles Mögliche wird Rücksicht genommen, nur nicht in gebührender
Weise auf sie. Würde da Wandel geschaffen, so wäre die friedlichste Lösung all
der Fragen, die uns jetzt in Bezug auf Organisation des Schulwesens, auf den
Lehrplan, die Methodik rc. bedrücken, vor der Thür. Wie aber soll die Wissen
schaft der Pädagogik zu ihrem Recht kommen? Es ist gut, daß wir immer
wieder an dieses Recht erinnern; wir sollten aber auch daran denken, daß die in
der Sache bestimmenden Männer von den höheru Schulen kommen, nach dort
gemachten Beobachtungen und Erfahrungen die Frage besehen. So lange der
Glaube möglich ist, daß der, der Latein und Griechisch versteht, auch Latein und
Griechisch lehren könne, daß jede Wissenschaft ihre immanente Pädagogik habe, so
lange dürfen wir nicht hoffen, daß man auf unser Reden für die Rechte der
Pädagogik mehr geben wird, als auf ein unbequemes Geilen, das mau sich durch
Erfüllung einzelner Wünsche vom Halse schafft, so gut es eben geht. Gilt es
dagegen auch bei den Lehrern der höheren Schulen, daß die Pädagogik eine
Wissenschaft ist, bestimmend für die Behandlung des Unterrichts wie der Erziehung
überhaupt, so kann es nicht mehr lange währen, daß die Pädagogik nicht nur in
ihre bestimmenden Rechte überhaupt eingesetzt, sondern speciell auch das einigende
Band wird, das alle Veranstaltungen für Unterricht und Erziehung umschlingt.
Bei der Komplikation unserer Verhältnisse kann keiner heutzutage der Bundes
genossenschaft entraten; dafür giebt es viel zu viel zu lernen, dazu bedarf es viel
zu sehr der Hilfen, zu denen bald der eine, bald der andere besonders befähigt
ist, dazu ist die heutige Welt viel zu sehr geneigt zu zählen, statt zu wägen. Es
müßte ja genug sein, wenn in irgend einer Sache klar erwiesen würde, wie sie
nach besten Gründen sollte geordnet werden.
Mit diesem schlichten Nachweis begnügt sich aber heute keiner in Sachen des
öffentlichen Lebens; er legt vielmehr seine Gründe für diesen oder jenen Wunsch
dar, ruft die Freunde zur Unterstützung seines Wunsches auf und vertraut dann
bei Einreichung seiner Petition der Macht der großen Gemeinschaft, die dem
Gesuch um entsprechende Regelung schon die gewünschte Beachtung verschaffen wird.
Wir gehören nicht zu den bestimmenden Kreisen, und so sind wir doppelt
darauf angewiesen, Bundesgenossen zu suchen und zu ehren. Als vor wenigen
Jahren die Barmer Kollegen an höchster Stelle für die Schulgemeinde eintraten,
haben sie Unterstützung in den verschiedensten Kreisen, aus den verschiedensten po
litischen und andern Parteien gefunden. In freundlichster Weise sind mit ernster,

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